© Leo Hagen/IG Lebenszyklus Bau

IG Lebenszyklus Bau präsentiert 6 Leitfäden zum Bauen der Zukunft

Einmal mehr pocht die IG Lebenszyklus Bau auf das Verantwortungsgefühl der Branche, um vor dem Hintergrund von Klimawandel, Ressourcenknappheit und neuen sozialen Herausforderungen aktiv zu werden. Der Tenor: Besser sei die Zeit nie gewesen, um als Branche gemeinsam etwas zu bewegen.

Im Rahmen des Herbstkongress der IG Lebenszyklus Bau wurde die nachhaltige Gebäudeentwicklung intensiv diskutiert und dazu die neuen sechs Leitfäden präsentiert. Dabei sind auch interessante Infos und Fakten zu den Themengebieten Gebäudesanierung, Bodenversiegelung im ländlichen Raum, Greenwashing, Lieferkettengesetz und mehrwertorientierte Dachflächennutzung entstanden.

„Wien wird Athen. Dafür ist es nicht gebaut.“

„Erinnern Sie sich bitte im Jahr 2050 an diesen „Rekordsommer“ zurück, sie werden nicht mehr viel kühlere Sommer erleben. Wir sind am Anfang und nicht am Ende der Erderwärmung.“ Emotional und mit erschreckenden Fakten zu den Auswirkungen des Klimawandels, musikalisch untermalt von Michael Jacksons Earth Song, eröffnete Vorstandsmitglied Klaus Reisinger, ClimatePartner, den Kongress gemeinsam mit Wolfgang Kradischnig, Sprecher der IG Lebenszyklus Bau, DELTA, der im Anschluss die Verantwortung der Baubranche und jedes Einzelnen hervorhob: „Wir können diese Verantwortung nicht abgeben. Der Hebel der Bau- und Immobilienbranche ist groß und wir haben jetzt – auch, aber nicht nur, getrieben durch neue Gesetze und Rahmenbedingungen auf den Märkten – die einmalige Chance, als Branche richtig viel bewegen zu können und einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

Mit Bauen die Zukunft anderer positiv gestalten

In diese Kerbe schlug auch der Berliner Futurologe Max Thinius, der in seiner Eröffnungskeynote die „lokale, soziale, ökologische und wirtschaftliche Wertschöpfung in neuen multilateral verwebten Strukturen“ in den Fokus rückte. Dabei erweiterte Thinius den bestehenden Denkradius des „Wie kann ich Bauen zukunftsfähig machen?“ um den gesellschaftlichen Faktor und benannte dabei die für ihn zentrale Fragestellung der Bau- und Immobilienbranche: „Wie kann ich mit Bauen die Zukunft anderer positiv gestalten?“

Allianzverträge und ECI als „Teilchenbeschleuniger

Auf nachhaltige Projektentwicklung fokussierte sich Caroline Palfy, Loud4Planet, in ihrer Eingangskeynote und füllte damit das von Thinius formulierte Eingangsstatement mit branchenrelevanten Ausführungen. Dabei erläuterte sie insbesondere die positiven Wirkungen von Allianzverträgen und Early Contractor Involvement (ECI). Mit integrierter Projektabwicklung, BIM und Lean Management könne die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft vorangetrieben und die aktuellen ökonomischen, ökologischen und politischen Krise(n) als Chance ergriffen werden. „Um die Herausforderungen hinsichtlich ESG in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu meistern, braucht es das größtmögliche Engagement aller. Technologien und Digitalisierung sind nur die Werkzeuge – die Umsetzung verantwortet die Menschheit weiterhin selbst,“ betonte Palfy.

Neue Bauordnungen und Anreizsysteme als Game Changer

Im Rahmen der Paneldiskussionen widmeten sich die Teilnehmer:innen – darunter Gerald Beck (UBM Development), Isabella Stickler (Alpenland), Uwe Breitschopf (Managementservice Linz), Sandra Bauernfeind (Heimat Österreich), Claudia Nutz (nutzeffekt) und Irene Hauer-Karl (HABAU Group), den wirksamsten Hebeln für eine nachhaltige Bau- und Immobilienwirtschaft. Genannt seien hier exemplarisch als Lösungen die noch notwendigen Anpassungen der Bauordnungen an die Gegebenheiten im Bereich der Sanierung sowie die Notwendigkeit des Ausbaus der Förderlandschaft für Gebäudesanierung und erneuerbare Energien. Diese Förderungen sollten ein Augenmerk auf Anreizsysteme legen, wovon Eigentümer:innen wie Wirtschaft profitieren.

Die sechs Leitfäden auf einen Blick

Die neuen Leitfäden bieten Bauherren und Branchenvertretern konkrete Analysen und Tools zu den Themen ganzheitliche Gebäudesanierung, Bodenversiegelung im ländlichen Raum, ESG, Lieferkettengesetze, mehrwertorientierte Dachflächennutzung und Klimarisikobewertung von Gebäuden. Und so lauten sie:

  1. „Klimarisiko-Guide für Immobilien“
  2. „Zukunftsweisender Umgang mit Gebäudebestand“
  3. „Netto-Neuversiegelung gleich null! Gemeinden zeigen, wie es gehen kann“
  4. „Mehrwertorientierte Dachflächennutzung“
  5. „Zertifizierungskompass ESG“
  6. „Lieferkettengesetze für Klein- und Mittelunternehmen“

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