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Leben im Loft – Pro & Contra

Ein, maximal zwei Räume auf einer oder zwei Etagen, viel Ziegel, Stein und Beton, riesige Fabrikfenster – eine Loft-Wohnung ist ein innenarchitektonischer Spezialfall. Für wen sich das Wohnen im Loft eignet, wie man es am besten einrichtet und wie viel ein Loft im Vergleich kostet.

Die ersten, die ausgeräumte Lagerhallen und Fabrikgebäude in Städten wie London oder New York zu Wohnzwecken nutzten und so quasi salonfähig machten, waren die Künstler und Kreativen der 1940er Jahre. Es ging bei dieser Um- bzw. Neunutzung aber weniger um ein Statement als vielmehr darum, kostengünstig wohnen zu können. Was einst als Notlösung diente, zählt heute eher zum Segment der Luxus-Wohnungen. Für so manchen ein lang gehegter Traum, erweisen sich die großzügig dimensionierten Fabrikwohnungen aber tatsächlich nur für die wenigsten als alltagstauglich. Die Nachteile einer Loftwohnung wiegen mindestens so schwer wie ihre Vorteile.

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Schick, aber unpraktisch

Das Schönste an einem Loft sind ohne Zweifel die riesigen, hohen und lichtdurchfluteten Räume und das damit verbundene Gefühl von Freiheit. Hier ist nichts zugestellt, beengt oder düster. Neben einem Schlafzimmer und dem Bad gibt es im Standard-Loft nicht mehr als einen überdimensionalen offenen Wohn-, Koch-, Ess- und Arbeitsraum.

Die großen, lichtdurchfluteten Objekte mit meist weit mehr als 100 Quadratmetern Wohnfläche enstprechen auf den ersten Blick der Idee des offenen Wohnens, wie es seit vielen Jahren Trend ist: Wohnräume, etwa Küche, Ess- und Wohnbereich, verschmelzen miteinander, gehen ganz selbstverständlich ineinander über. Ein solcher Grundriss bedeutet aber auch, dass Bewohner und Besucher beim Betreten der Wohnung sofort in diesen großen Wohn-, Koch- und Essbereich "hineinfallen". Bei vielen Objekten gibt es keinen abgetrennten Bereich gleich hinter der Haustür, der etwa unauffällig Platz für eine Garderobe bieten würde. Gerade für Familien ein großer Nachteil, denn wohin mit den schmutzigen Schuhen oder nassen Jacken, ohne dass diese ständig im Blickfeld sind? Für Mehrpersonenhaushalte in vielen Fällen ebenfalls ein No-go: vom Wohnraum nicht abgetrennte Schlafräume. Und auch eine Toilette, die nicht über einen kleinen Flur zu erreichen ist, sondern direkt vom großen Wohnraum abgeht und hellhörig ist, kann Bewohnern und Gästen unangenehm sein.

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Single- und Homeoffice-Hit

Für Alleinlebende kann der offenen Grundriss mehr Vorteile als Nachteile bedeuten. Kleine Single-Wohnungen profitieren von dem offenen Grundriss eines Lofts, weil die Weitläufigkeit ein Gefühl von mehr Platz und Weite vermittelt. Ideal ist eine weitläufige Einraumwohnung àla Loft auch dann, wenn man von zuhause aus arbeitet. Die Wohnlandschaft ohne Wände wird dann zum großen, hellen Homeoffice.Ist man in der Lage, Arbeiten und Wohnen so zu verbinden, ist dann auch der Umstand, dass Lofts häufig mitten in Gewerbegebieten mit schlechter Infrastrukur angeboten werden, nicht länger ein Ausschlusskriterium.

Klarer Nachteil: Die Kosten

Lofts sind rar am Immobilienmarkt, vor allem die, die bereits ausgebaut und entsprechend bezugsfertig sind. Hier müssen Sie mit Kaufpreisen von 6.000 Euro aufwärts rechnen – pro Quadratmeter wohlgemerkt. Auch Preise um die 9.000 Euro sind nicht unüblich.

Wer selbst ausbauen möchte, muss ebenfalls mit hohen Ausgaben rechnen. Der Einbau eines Heizsystems, eine ordentliche Wasseranlage, der optisch angepasste Austausch der alten Fenster, wohnliche Bodenbeläge und vielleicht auch die eine oder andere Zwischenwand – das kostet! Genauso wie das Beheizen - bei mindestens 130 Quadratmetern und über fünf Metern Raumhöhe geht da einiges an Energie verloren.

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Loft einrichten - unsere Top-Tipps

Bei allem Industrial Chic tut ein bisschen Heimeligkeit auch in einem Loft gut. Wie wird's aber nun wohnlich?

  • Sorgen Sie für gut gedämmte Außen- bzw. Innenwände!
  • Bauen Sie mehrfachverglaste Fenster ein!
  • Setzen Sie auf Flächenheizungen plus Kaminofen oder offenen Kamin!
  • Richten Sie Wohnzonen ein! Das heißt: Ziehen Sie Zwischenwände und Galerieböden ein und schaffen Sie Inseln.
  • Arbeiten Sie mit Textilien! Gardinen, Teppiche und Polstermöbel (z. B. ein XXL-Sofa) absorbieren den Schall. Mit großen Teppichen lassen sich außerdem einzelne Wohnbereiche abgrenzen bzw. sanft zonieren.
  • Gestalten Sie den Raum mit übergroßen  Zimmerpflanzen! Besonders schön finden wir zum Beispiel Monstera (= Fensterblatt), Strelitzie, Dattelpalme, Feige oder Banane.
  • Setzen Sie Möbel sparsam ein! Zu viel Inventar wirkt überladen und zerstört das typische Flair sowie das Freiheitsgefühl des Lofts. Große Möbelstücke im Stil der Gründerzeit oder des Bauhausstils fügen sich in der Regel gut in das Ambiente einer Loftwohnung ein.
  • Dekorieren Sie Ihr Loft nur mäßig! Trotz des grozügigen Raumangebots sollte man sich auf einige wenige, besondere Deko-Objekte beschränken. Setzen Sie auf große Skulpturen, hohe Bodenvasen und großflächige Bilder und Fotos an der Wand. Inspiration finden Sie hier.
  • Planen Sie Lichtquellen mit ein! Abends wirds auch in Lofts mit hohen Fensterfronten dunkel. Deshalb holt man sich große Stehlampen, am besten im Stil des Bauhauses oder Industrial Looks ins Haus.
Gut gedämmte Außen- bzw. Innenwände
Mehrfachverglaste Fenster
Flächenheizungen plus Kaminofen oder offenen Kamin
Wohnzonen einrichten (Zwischenwände einziehen, Galerieböden einziehen, Inseln schaffen)
Textilien (Gardinen, riesiges Sofa, Teppiche) zur Schallabsorption
Übergroße Pflanzen (Palmen, Kletterpflanzen,...)

AutorIn:
Datum: 25.05.2018
Kompetenz: Innenarchitektur und Raumausstattung

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