Wabi-Sabi – verborgene Schönheit

Zurück zum Wesentlichen! Die Japaner machen es, was sie Wabi-Sabi nennen seit Jahrhunderten vor, die Europäer kommen langsam auf den Geschmack. Was das genau ist und wie Sie es für sich nutzen können, verraten wir hier.

Nein, Wabi-Sabi ist kein anderes Wort für die scharfe grüne Paste beim Sushi – Wabi-Sabi ist vielmehr ein japanisches Konzept der Ästhetik, eng verbunden mit dem Zen-Buddhismus. Im Kern handelt es sich um die Ästhetik von Einfachheit und dem Unperfekten. Ähnlich dem dänischen Hygge geht es beim Wabi-Sabi um den bewussten Umgang mit den alltäglichen Dingen – aber auch um den Respekt ihnen gegenüber. Selbst, oder besser gesagt: vor allem, wenn sie schon in die Jahre gekommen sind.

Elend und verloren

Wörtlich übersetzt klingt Wabi-Sabi nicht unbedingt so, wie wir uns gemütliches Wohnen vorstellen. „Wabi“ bedeutet traurig, verlassen, verloren und elendig. „Sabi“ steht für Alter, Vergänglichkeit oder Patina. Gemeinsam ergeben die beiden Begriffe jedoch eine neue, erweiterte Definition. Das Reduzierte, Einfache und Gelebte ist das wahre Ideal. Unvollkommenheit und kleine Mängel. Die „verborgene Schönheit“ hinter all dem oberflächlichen Glanz und Schein. Einiges dieser Philosophie findet sich auch im Shabby-Chic wieder, aber auch im Minimalismus und in unserem immer bewusster werdenden Umgang mit Nachhaltigkeit oder Upcycling. Doch Wabi-Sabi geht noch einen Schritt weiter.

Die 5 Prinzipien des Wabi-Sabi

Wer sich eingehender mit Wabi-Sabi beschäftigt, dem wird rasch die Nähe zum Buddhismus auffallen. Was für die japanische Wohnphilosophie gilt, lässt sich auf spirituelle Weise ganz ähnlich in unser Leben übertragen: Nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt. Der amerikanische Autor Richard R. Powell definiert Wabi-Sabi so: „Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie. Halte die Dinge sauber und unbelastet, aber lasse sie nicht steril werden.“

  • Besinne dich auf das Wesentliche
  • Genieße die optische Leere
  • Verzichte auf seelenlosen Konsum und materielle Überfrachtung
  • Verwende einfache und lokale Produkte – aus Naturmaterialien und von bester Qualität
  • Wertschätze dein Eigentum. Pflege es und vererbe es in Würde weiter

Wabi-Sabi in der Praxis

Wie bei vielen dieser Wohnphilosophien, liest sich die Theorie ganz wunderbar, doch im echten Leben da draußen ist manches dann doch etwas anders. Sie müssen ja nicht gleich zum japanischen Mönch werden nur, damit Sie etwas Ruhe und Übersicht in Ihr Wohnen bekommen. In erster Linie geht es bei Wabi-Sabi um Befreiung und Wertschätzung. Ein Gegenstand muss beispielsweise noch lange nicht entsorgt werden, nur weil er ein paar Macken hat. Geben Sie ihm durch ein neues Arrangement oder eine Umnutzung seine Bedeutung wieder. Immerhin begleitet er sie möglicherweise schon einige Jahre und ist mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Auch bedeutet Minimalismus nicht Ungemütlichkeit. Im Gegenteil: Je weniger Sie benötigen, desto hochwertiger und bequemer sollten die Gegenstände sein. Nutzen Sie das Repertoire an Stoffen und Textilien – für Kissen, Vorhänge, Teppiche oder Decken. Am besten aus Naturmaterialien wie Baumwolle, Leinen oder Jute. Bei den Farben reicht die Palette von Weiß und Naturweiß über ein dezentes Grau bis hin zu gedeckten Erdtönen.


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Datum: 11.09.2017

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