Das virtuelle Fertighaus

Virtual Reality, 3D-Rundgänge durch die Musterhäuser auf der Website der Anbieter, ein am PC selbst entworfenes Eigenheim – die Digitalisierung hält auch in der Fertighausbranche Einzug.

Den Fertighauskunden werden heute viele Möglichkeiten geboten, ihr ganz persönliches Traumhaus zu finden. Per Mausklick lassen sich Gebäudeform, Grundriss, Fenster, Türen und Böden variieren, am PC oder jedem mobilen Gerät kann virtuell durch die unterschiedlichen Haustypen geschlendert werden, im Handumdrehen gibt es einen ersten Vorabpreis inklusive Finanzierungsmöglichkeiten. Man ist in der digitalen Zukunft angekommen. Wir haben mit einigen wichtigen Vertretern der heimischen Fertighausbranche über das Thema VR im Fertighausmarkt gesprochen.

Virtual Reality keine Vision mehr

Die Möglichkeit, virtuelle Rundgänge durch Fertighäuser zu machen, scheint inzwischen ein fixer Bestandteil der Kundenbetreuung. So bietet der heimische Hersteller VARIO-HAUS bereits seit zwei Jahren die Möglichkeit, zum einen Musterhäuser mit fotorealistischen Hausrundgängen und zum anderen komplett individuell im Online-Planer konfigurierte Häuser mittels VR-Brille zu erkunden. Daniel Gruber, Prokurist und Junior Chef, dazu: „Die fotorealistischen Musterhaus-Rundgänge bieten eine erste realistische Darstellung und ein optimales Gefühl für die Größe und die Gestaltung von Räumen und Häusern. Das Erleben von selbst geplanten Grundrissen inklusive Einrichtung hat den Vorteil der vollen Flexibilität. Der Bauherr kann selbst erleben, ob die von ihm umgesetzten Ideen auch in der Perspektive bzw. beim Gang durchs Haus die Anforderungen erfüllen.“ Und das Angebot wird gut angenommen, wobei laut Gruber das Thema durchaus noch forciert werden kann: „Insbesondere die Möglichkeit zur Online-Planung von Zuhause aus wird aktiv angenommen. Das bestätigen die Nutzerzahlen eindeutig. Das Thema der VR-Brille ist für viele Bauherren aber noch etwas ganz Neues und die Unsicherheit damit bei manchen vorhanden.“

Yves Suter, dem die Leitung der Online- und Entwicklungsabteilung bei Hartl Haus obliegt, beschreibt die rasante Entwicklung und Nutzung von VR-Instrumentarien aus eigener Erfahrung: „Wir testen die Möglichkeiten bereits seit der DK1, dem ersten Developer Kit der über Kickstarter finanzierten Oculus Rift. Den ersten Prototyp habe ich damals selbst auf der Unity Engine zusammengebaut, es war das Liberty 199 inklusive japanischer Außenanlagen und einem Reh. Dieser und die folgenden Prototypen haben das Potential klar vor Augen geführt, aber auch die damals noch vorherrschenden Probleme mit dem Gleichgewichtsorgan. Heute sind die VR Anbieter soweit, praktikable Lösungen anzubieten und es entstehen erste Schnittstellen für die Planungstools der Baubranchen.“ Für Suter ist Virtual Reality ein wichtiges Werkzeug für die Hausplaner der Zukunft, weil es beim Interpretieren eines Planes hilft. „Während am Plan nur eine Zahl durchgestrichen und verändert wird, kann man in VR direkt erleben, wie viel freundlicher ein Raum plötzlich mit 20 cm breiteren Fenstern wird. Licht und Schall können simuliert, Formen und Farben erlebt werden und deren Zusammenspiel kann einem viele Entscheidungen deutlich einfacher machen.“

alabn/Shutterstock.com © alabn/Shutterstock.com

3D-Rundgänge sehr beliebt

Auf die Herausforderungen, die mit der Einführung digitalisierter Hausbesichtigungen für die Fertighausanbieter einhergehen, macht Martin Genböck, Geschäftsführer von Genböck Haus aufmerksam: “Unsere Verkaufsmitarbeiter setzen VR zum Teil bereits ein, jedoch verlangen solche Tools eine sehr komplexe Vorplanung des Hauses. Daher wird das bei uns im individuellen Planungsbereich vor allem für Kunden eingesetzt, die kurz vor dem Abschluss stehen, quasi als zusätzliche kleine Überraschung. 3D-Rundgänge für Musterhäuser sind eine sehr gute Sache, so sie technisch erstklassig erstellt sind.“ Haas Fertighaus scharrt in Sachen Virtual Reality ebenfalls in den Startlöchern. Geschäftsführer Josef Zügner ortet trotz bisher eher zurückhaltender medialer Vermarktung dieser Möglichkeiten eine stark steigende Zahl an Bestellungen von VR-Brillen-Rundgängen, 360 Grad-Besichtigungen und den dazugehörigen Apps und ergänzt: „Vor allem bei Messen oder bei Musterhausbesuchen können wir dadurch punkten.“


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Datum: 20.12.2017

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