Hochwasser: Wie kann ich mein Zuhause schützen?
Einen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser gibt es nicht. Was man dennoch tun kann, um sein Zuhause möglichst hochwassersicher zu machen und vor großen Schäden zu bewahren - wir haben sinnvolle Präventivmaßnahmen im Überblick.
- Wie baut man hochwassersicher?
- Böschungen, Mauern und Erdwälle
- Wasserbeständige Baustoffe im Überblick
- Welche baulichen Maßnahmen schützen vor Hochwasser?
- Was ist technisch-konstruktiver Hochwasserschutz?
- Was sind mobile Hochwasserschutzsysteme?
- Wie kann ich Türen vor Hochwasser schützen?
- Wie schütze ich meinen Keller vor Hochwasser?
- Wie viel kostet der private Hochwasserschutz?
- Wird Hochwasserschutz gefördert?
Wenn Ihr Haus in einem Risikogebiet steht, sind Maßnahmen zum Hochwasserschutz ein Muss. Doch auch wenn Sie in keiner roten Zone zu Hause sind, kann Wasser große und teure Schäden an Ihrem Hab und Gut anrichten. Neben Überflutungen können auch ein steigender Grundwasserspiegel, Hangwasser, Schlagregen oder ein Kanalrückstau Probleme verursachen. Welche präventiven Maßnahmen Sie bereits bei der Planung Ihres Eigenheims treffen sollten und wie Hochwasserschutz nachgerüstet werden kann, erfahren Sie hier.
Hinweise und Tipps
Tipp:
Informieren Sie sich vor dem Grundstückskauf bei der Gemeinde oder online (HORA) über die Hochwassergefahr!
Wie baut man hochwassersicher?
Aufrüstungs- oder Umbauarbeiten sind in der Regel teuer. Deshalb sollten Sie bereits beim Grundstückskauf und bei der Planung eines Neubaus das Hochwasserrisiko berücksichtigen. Die wirksamste und einfachste planerische Maßnahme: Dort bauen, wo kein Hochwasser zu befürchten ist, das heißt, außerhalb von hochwassergefährdeten Gebieten und in erhöhten Lagen. Man spricht hier vom "passiven Hochwasserschutz". Es gibt noch weitere passive Hochwasserschutzmaßnahmen, die viel ausrichten können: Zum Beispiel sollten Terrassen, Wege und Beete so angelegt werden, dass Regenwasser abfließen kann und Flächen rund ums Haus nicht im großen Stil zubetoniert werden, damit Wasser versickern kann (= Retentionsflächen).
Böschungen, Mauern und Erdwälle
Eine preiswerte und zugleich wirksame Maßnahme bei einem Neubau sind Geländeböschungen. Beachtet werden muss hierbei, dass das vom Grundstück abfließende Wasser weder in den öffentlichen Straßenraum geleitet wird noch auf benachbarte Grundstücke. Auch tief ins Erdreich eingelassene Mauern und kleinere begrünte Erdwälle im Garten können das Haus vor überlaufenden Bächen oder Hangwasser schützen. Wichtig ist, dass sie so nah wie möglich am Gebäude liegen, damit Fließwege frei bleiben. Im Bereich der Barriere sollte das Wasser vor Ort versickert oder gedrosselt abgeleitet werden, wiederum so, dass Nachbargrundstücke nicht beeinträchtigt werden. Schutzmauern oder Dämme sollten auch im Untergrund dicht sein, damit sie bei längerem Wasserstau nicht nachgeben.
Wasserbeständige Baustoffe im Überblick
Werden die Bauweise und die verwendeten Materialien auf die Hochwassergefährdung abgestimmt, können Schäden und die damit verbundenen Kosten reduziert werden. Zum Einsatz kommen sollten vor allem wasserabweisende, wasserdampfdurchlässige Materialien, die die Trocknung des Mauerwerks begünstigen und Schimmelbildung so entgegenwirken. Für Wände und Decken sollten hohlraumarme Baumaterialien eingesetzt werden, was grundsätzlich die Wärmedämmung negativ beeinflusst. Hier muss abgewogen werden, welcher Aspekt Vorrang hat. Vermieden werden sollten Wasserdampfsperren und saugende Materialien wie Teppichböden oder Dämmstoffe aus Mineralwolle. Welche Bauweise und welche Baumaterialien in Ihrer Region empfohlen werden und welche ortsüblichen Hochwasserschutz-Maßnahmen es gibt, erfragen Sie am besten bei Ihrer zuständigen Baubehörde.
| Wasserbeständige Baustoffe | Einsatz |
| Außenwandverkleidung |
| Innenwandverkleidungen |
| Wände |
| Fenster und Türen |
| Bodenbelag |
| Wärmedämmung |
Welche baulichen Maßnahmen schützen vor Hochwasser?
Geht es um konkrete Hochwasserschutz-Maßnahmen für Privathäuser, gibt es einerseits den technisch-konstruktiven Schutz und andererseits den mobilen Hochwasserschutz (= mobile HWS-Systeme). Bereits kleine bauliche Anpassungsmaßnahmen können verhindern, dass Wasser im Gebäude große Schäden verursacht. Gemeinden in Risikogebieten stellen Vorsorgekonzepte oder Planungen zur Vermeidung von Hochwasserschäden zur Verfügung.
Was ist technisch-konstruktiver Hochwasserschutz?
Kein Keller: Eine häufige technisch-konstruktive Maßnahme ist es, im Hochwassergebiet auf einen Keller zu verzichten und stattdessen eine erhöhte Bodenplatte zu errichten. Dadurch kann Oberflächenwasser nicht so leicht in das Gebäude eindringen. Nebenbei schützt der massive Betonsockel vor den Auftriebskräften des Grundwassers.
Gebäude auf Stützen errichten: Ein Neubau in einer besonders hochwassergefährdeten Lage kann mit Hilfe von Stützen angehoben werden. Der Bereich darunter kann beispielsweise als Parkplatz dienen.
Entwässerung: Eine funktionierende Entwässerung auf, neben und unter dem Gebäude verhindert Schäden. Wichtig ist es, Abflüsse, Kanäle und Rinnen regelmäßig zu kontrollieren!
Druckwasserdichte Wanddurchführungen: Leitungsdurchführungen für Wasser-und Gasversorgung, Elektronik, TV, Telefon, Entwässerung, Lüftung und Heizung sollten wasserdicht und die Zwischenräume mit Dichtungsmaterial verschlossen sein. Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb beraten!
Weitere Beispiele für technisch-konstruktiven Hochwasserschutz:
- Hochgezogene Lichtschachtwände
- Erhöhte Bodenschwellen im Bereich von Türen
- Rückstauverhinderer bzw. -verschlüsse
- Absperrschieber oder Hebeanlagen im Bereich von Kanälen
Was sind mobile Hochwasserschutzsysteme?
Mobile Hochwasserschutzsysteme können eine sinnvolle Ergänzung zu baulichen Vorkehrungen sein. Darunter fallen Sandsäcke, Wasserschutzkissen, Vorsatzscheiben für Fenster, Dammbalkensysteme bei Türen und Fenstern sowie passgenau zugeschnittene Einsatzstücke für Tür- und Fensteröffnungen mit Profildichtung, sogenannte Wasserschotts. Dammbalken und Schotts bieten einen ähnlich guten Schutz. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der beste mobile Schutz nichts nützt, wenn man nicht früh genug auf die drohende Gefahr reagieren kann, das heißt, wenn das mobile HWS-System nicht schnell und einfach in Eigenregie aufzubauen ist. Vor allem bei Starkregenereignissen geht alles sehr schnell, wodurch mobile Systeme hier häufig versagen. Für Überflutungen mit geringer Vorwarnzeit eignen sich Torsysteme bzw. klappbare Systeme am besten. Ebenfalls geeignet sind Schlauchwehrsysteme. Diese werden vor Ort gelagert und müssen im Ernstfall ausgerollt und mit Wasser aufgepumpt werden.
Hinweise und Tipps
Tipp:
Bei Zufahrten bzw. Eingängen zu tiefer liegenden Garagen oder Räumen verhindern Rampen und abgedichtete Bodenschwellen, dass Wasser hineingelangt.
Wie kann ich Türen vor Hochwasser schützen?
Neben den mobilen HWS-Systemen können auch wasserdichte Fenster und Türen eingebaut werden. Sie sind eine teure Lösung, haben aber den Vorteil, dass die Handhabung schnell und unproblematisch ist und dass keine Bauteile für den Ernstfall gelagert werden müssen, wie das etwa bei Dammbalkensystemen der Fall ist. Außerdem ist es sinnvoll, Türen über Treppenstufen oder Rampen zugänglich zu machen. Vor allem Häuser in Hanglage profitieren davon, da so Hangwasser nicht in das Haus eindringen kann.
Wasserschotts bieten Schutz vor höheren Überflutungen. Für ein solches mobiles HWS-System muss vom Fachmann eine fixe Installation (z. B. Befestigungsschienen) angebracht werden. © markobe/stock.adobe.com
Hinweise und Tipps
Tipp:
Wie Sie Ihren Keller nutzen, kann großen Einfluss auf das Schadensausmaß haben. Wenn möglich, sollten Sie Ihre Heizungsanlage, den Stromverteiler und andere wichtige Haustechnik in einem höher gelegenen Stockwerk unterbringen.
Wie schütze ich meinen Keller vor Hochwasser?
Mit einer Abdichtung kann ein Keller vor Grundwasser geschützt werden, z. B. mit einer schwarzen oder weißen Wanne oder mit einer nachträglichen Innendichtung. Eine weitere bauliche Maßnahme sind wasserdichte Kellerfenster. Festverglaste Kellerfenster werden dann empfohlen, wenn das Haus in einem ausgewiesenen Hochwassergebiet steht und eine Belüftung über das Kellerfenster nicht nötig ist.
Auch die Kanalisation kann bei starkem Dauerregen zum Problem werden. Gerade im Keller, insbesondere im Altbestand, ist das Nachrüsten von Rückstauklappen oder Hebenanlagen sinnvoll. Erstere schließen automatisch und verhindern so, dass Abwasser durch das Rohrsystem gedrückt wird. In Hebeanlagen wird Abwasser zwischengespeichert und an den Kanal abgegeben.
Wie viel kostet der private Hochwasserschutz?
Kleinere Maßnahmen wie Rückstauklappen oder mobile Schutzbarrieren für Türen können einige hundert bis tausend Euro kosten. Komplexe Umbauten und Anpassungen des Gebäudes schlagen mit höheren Summen zu Buche und können schnell in den fünf- bis sechsstelligen Bereich gehen, wobei im Bestand eine nachträgliche Abdichtung der Gebäudehülle einfacher und kostengünstiger sein kann als Geländemodellierungen oder nachträglich angepasste Lichtschächte und Kellerzugänge. Immer zu bedenken ist, dass die Investition in Hochwasserschutz letztlich bedeutend günstiger sein kann als die Kosten, die durch Hochwasserschäden entstehen.
Wird Hochwasserschutz gefördert?
Förderungen für Privatpersonen gibt es in Österreich aktuell nur vereinzelt (Stand: September 2024). In manchen Städten, z. B. Steyr, werden Privatpersonen, die ihr Eigenheim mit Hochwasserschutzsystemen ausstatten, finanziell unterstützt. Das Land Niederösterreich fördert präventive Hochwasserschutzmaßnahmen im Zuge der "Wohnbauförderung Eigenheimsanierung".
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