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Gasherd: Altbewährt, aber nicht von gestern

Viele halten einen Gasherd für ein Küchengerät von gestern und scheuen das Kochen mit Gas aufgrund der vermeintlich erhöhten Brandgefahr. Doch weder ist der Gasherd überholt noch ist er gefährlich. Lesen Sie hier, warum Kochen mit Gas sicher und zeitgemäß ist.

In der Gastronomie kocht man seit jeher vorwiegend mit Gas - nicht ohne Grund: Die Hitze ist sofort da, der Herd als solcher sehr robust und die Oberfläche, vor allem im Vergleich zu Elektrolösungen, verhältnismäßig leicht zu reinigen. Dass einige von uns eher ein mulmiges Gefühl beim Gedanken ans Kochen mit einem Gasherd bekommen, liegt wohl an der Assoziation mit jenen alten Geräten, die noch in manch einer Wohnung stehen.

Funktion und Anschluss

Ein Gasherd wird entweder an das öffentliche Erdgasnetz oder an eine Gasflasche angeschlossen. In der Regel können 11-Liter-Propangasflaschen verwendet werden. Beim festen Anschluss gibt es einen Anschlussschlauch und einen sogenannten Anschlussstecker. Während man den Anschlussstecker selbst entfernen darf, darf das An- und Abschließen beim Anschlussschlauch nur ein Fachbetrieb übernehmen.

Und so funktioniert der Gasherd: Über den zuvor erwähnten Anschluss wird das Gas zu den einzelnen Kochfeldern geleitet. Nachdem der Schalter geöffnet wird, strömt das Gas seitlich unter dem Brenner aus den Öffnungen. Das ist deutlich hörbar und kein Grund zur Beunruhigung. Die Zündung kann dann auf drei verschiedene Arten erfolgen. Entweder es wird per Hand gezündet (z. B. mittels Stabfeuerzeug) oder die Zündung erfolgt über den sogenannten Piezo-Effekt oder über einen Zündtrafo. Beim Piezo-Effekt wird elektrische Spannung abgeben, welche dazuverwendet werden kann, Gas sicher anzuzünden. Entweder ist ein Zündschalter am Herd selbst vorhanden oder es wird ein dem Stabfeuerzeug ähnliches Gerät ("Anzünder”) verwendet. Vor allem bei Einbauherden mit Stromanschluss kann die Zündung auch elektrisch erfolgen. Dazu wird elektrische Spannung benutzt, die über den Stromanschluss und den sogenannten Zündtrafo hergestellt wird.

Das Gas wird über den Anschluss zu den einzelnen Kochfeldern geleitet. Die Anzahl der Kochfelder kann variieren, bei gewöhnlichen Haushaltsherden sind es in der Regel vier Kochfelder.
Das Gas wird über den Anschluss zu den einzelnen Kochfeldern geleitet. Die Anzahl der Kochfelder kann variieren, bei gewöhnlichen Haushaltsherden sind es in der Regel vier Kochfelder.

Gasherd: Vorteile, Nachteile und worauf man achten sollte

Im Gegensatz zu Deutschland, wo viele Haushalte schlichtweg keinen Gasanschluss mehr besitzen, besteht in Österreich nach wie vor ein großer Markt für Gasherde - nicht nur im Bereich der Gastro. Was steckt also dahinter? Auf jeden Fall vorteilhaft ist die klar erkennbare Hitzequelle, die die Verbrennungsgefahr am Objekt selbst vermindert. Profis und Liebhaber schätzen aber vor allem die schnelle und unmittelbar regulierbare Hitze, die ein Gasherd bereitstellt, während er nach dem Ausschalten keine Restwärme mehr abgibt. Töpfe können somit einfach auf den Gaskochfeldern stehen gelassen werden. Ob dies letztendlich als Vorteil oder Nachteil gesehen wird, hängt natürlich von der jeweiligen Kochsituation ab.

Die direkte Flamme hat definitiv auch Nachteile. So ist es etwas komplizierter als etwa beim Elektroherd, Speisen auf niedriger Temperatur gleichmäßig zu erwärmen. Im Gasbackofen gibt es ein ähnliches Problem: Die Temperatur ist bei vielen Geräten nicht exakt einstellbar. Insbesondere niedrige Backtemperaturen sind mit manchen Gasbacköfen nicht mögich. Es gilt zudem zu bedenken, dass Töpfe auf Gasherden überall heiß werden, auch am Griff. Das bedeutet: Griffe aus Kunststoff können schmelzen, solche aus Metall zu einer Verletzungsquelle werden. Auch haben wahrscheinlich fast alle Köche, die mit Gas arbeiten, schon das ein oder andere Küchentuch angesengt. Zwei gute Topfhandschuhe gehören deshalb zur Gasherd-Basisausstattung. Apropos Töpfe: Ein Gasherd ist mit so gut wie allem Kochgeschirr kompatibel. Auch mit Halbkugel-Woks oder zerbeulten Blech-Reindln. Will man das Kochgut so lange wie möglich warm halten, sollte man zu Kupfertöpfen, die Wärme sehr lange speichern, greifen.

So wird Ihr Gasherd wieder sauber

Denkt man ans Kochen, kommt einem natürlich auch die anschließende Reinigung des Kochbereichs in den Sinn. Die gute Nachricht: Gaskochplatten sind recht pflegeleicht und etwa im Vergleich zu einem Ceranfeld weniger empfindlich. Es bedarf keiner speziellen Behandlung, Verwenden Sie einfach einen fettlösende Reiniger. Starken Verschmutzungen kann man mit einem etwas raueren Schwammzu Leibe rücken. Ein alter Trick aus der Gastronomie ist es, die freien Teile des Gasherds mit Alufolie abzudecken. So erspart man sich später die Reinigung dieser Bereiche. Einen Gasbackofen kann man auf die gleiche Art und Weise reinigen wie die Elektro-Variante. Bei starken Fettspuren hilft nur kräftiges Schrubben, gegebenenfalls auch ein Backofenreiniger.

Keine Scheu vorm Gasherd

Die Furcht vor unaufhaltsam ausströmendem Gas oder eine defekte Leitung in der Wand mag manchen vom Kauf eines Gasherdes abhalten. Aber solche Gefahrenquellen sind in der Regel nur auf eine mangelhafte Wartung zurückzuführen. Moderne Geräte werden mit einer Flammüberwachung ausgestattet, die verhindert, dass unkontrolliert Gas austritt. Zudem dient die sogenannte Zündsicherung dazu, das versehentlicheEinschalten des Gasherdszu verhindern. Vor dem Einschalten muss der Knopf gedrückt gehalten werden, ansonsten geht die Flamme wieder aus. Die Zündsicherung wird über Zündstifte gesteuert. Geht ein Gasherd immer wieder aus, könnte es sein, dass die Zündstifte verbogen, verschmutzt oder defekt sind.

Bei Kondensat an der Scheibe vom Gasbackofen handelt es sich im Übrigen um einen normalen Effekt, da ein Gasherd im Betrieb Wärme und Feuchtigkeit erzeugt. Sobald die Oberflächen des Innenraums vom Backofen aufgeheizt sind, kondensiert keine Feuchtigkeit mehr. Ein weiterer Schwachpunkt aus der Vergangenheit, eine schlecht zu regulierende Ofenhitze, muss heute ebenso keine Sorgen mehr bereiten. Sogar die Mindest-Startleistung von früher 150 Grad Celsius konnte dank technischer Taktung auf 75 Grad verringert werden. Wer jedoch ganz sicher gehen möchte, greift auf ein Kombigerät zurück: oben Gas, unten Strom.

Gas-Elektro-Kombi: Ein Kompromiss

Sie können oder wollen sich nicht für Strom oder Gas allein entscheiden? Dann könnte ein Kombi-Gas-Elektroherd für Sie das Richtige sein. Der Begriff Gas-Elektroherd ist vielleicht etwas irreführend. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen Elektrobackofen mit aufgesetzter Gaskochplatte. Das Gaskochfeld wird mit Erd- oder Flüssiggas betrieben, während der Backofen des Gas-Elektroherdes über die gleichen Funktionen wie der Backofen eines herkömmlichen Elektroherdes verfügt. Wie auch Elektroherde mit Starkstromanschluss muss die Gaskochplatte vom Fachmann installiert werden.

Die Kosten im Vergleich

Gasstandherde gibt's bereits ab rund 200 Euro, womit sie in der Anschaffung um einiges günstiger sind als etwa Induktionsherde. Letztere sind im Vergleich zu Gas- und Elektroherden die teuerste Variante. Wie bei einem jeden anderen Haushaltsgerät auch, sollte man sich beim Kauf eines Gasherds über die Energieeffizienzklassedes selbigen informieren. Grundsätzlich gilt, dass der Energieverbrauch eines Gasherds kostengünstiger ist als der Stromverbrauch eines Elektroherds.

Induktion macht Konkurrenz

Bevor Induktionskochfelder moderne Küchen eroberten, war für viele ambitionierte Köche ein Gasherd die erste Wahl. Induktion ist noch pflegeleichter als der Gasherd und zudem maximal effizient, hat aber auch etwas rational Kühles an sich. Gas hingegen besitzt Charme und Stil. Eins steht fest: Kochen mit Gas ist trotz Neuerungen in der Küche keineswegs aus der Zeit gefallen. Moderne Geräte bringen gleichsam ursprüngliches wie sicheres Kochvergnügen in unsere Küchen, Die Entscheidung, ob die Küche mit Gas oder Induktion ausgestattet werden soll, hängt letztlich einfach vom persönlichen Geschmack ab.

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Datum: 21.03.2016
Kompetenz: Küchen und Kochen