Effiziente Klinik - Energiesparen im hohen Norden

Im Klinikum Bremerhaven wird von heute auf morgen ein Viertel der Energiekosten – und der Umweltbelastung – eingespart. finanziert wird das ganze über einen Contracting-Vertrag. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Performance Contracting ist tot. Es lebe Energy Savings Contracting. Alter Wein in neuen Schläuchen? Nicht ganz, aber fast. Im Unterschied zum Anlagen- Contracting umfasst das Energiespar-Contracting Maßnahmen, die vor dem Stromzähler ansetzen, also alle Maßnahmen, die den Verbrauch von Wärme oder Strom reduzieren.

Der Hauptvorteil beim Energiespar-Contracting liegt darin, dass der Gebäudeeigner zweifach entlastet wird: zum einen von der organisatorischen Umsetzung der Energiesparmaßnahmen und zum anderen von der finanziellen Belastung, die mit den Investitionen verbunden ist. Damit setzt das Energiespar-Contracting genau da an, wo in vielen Städten und Gemeinden der Schuh drückt: Für viele Objekte wird zwar ein energetischer Sanierungsbedarf konstatiert, doch das Geld fehlt für entsprechende Maßnahmen - Energiespar-Contracting bietet die Alternative.

Das Klinikum Bremerhaven/Reinkenheide zeigt, was möglich ist. Im konkreten Fall waren es immerhin 25 Prozent des Gesamtenergieverbrauches, der dank umfassender Erneuerung aller gebäudetechnischen Anlagen reduziert wurde. An sich, so wird gemunkelt, wären es sogar noch mehr gewesen, aber das erst kürzlich von der Stadt privatisierte Fernwärmeunternehmen war aus "politischen" Gründen eine heilige Kuh, sodass einzelne Optimierungsmöglichkeiten gar nicht wahrgenommen werden konnten. Trotzdem: 519.000 Euro (von rund zwei Millionen) an Energiekosten oder 3.200 Tonnen CO2 jährlich einzusparen, das ist doch auch schon einmal ganz gut. Die umgesetzten rund 120 Maßnahmen betrafen alle gebäudebetriebstechnischen Einrichtungen, wie die Heizungsinfrastruktur, Kälteerzeugung, Erneuerung der Großküchenspülmaschinen, medizinische Druckluftversorgung, Niederspannungshauptversorgung, Dampfsterilisatoren sowie die gesamte Gebäudeautomation mit Managementsystem und Energieoptimierungsprogrammen.

Die über 70 raumlufttechnischen Anlagen wurden komplett entkernt und nach dem neuesten Stand der Technik wieder aufgebaut. Dass derartiges den Auftraggeber gar nichts kostet, ist in der Praxis eine Mär. Denn wie immer bei Generalsanierungen wird die Liste der Betroffenen mit dringend nötigen Sonder- oder Erneuerungswünschen meist immer länger, nicht alles davon deckt der Contracting-Vertrag, sodass es am Ende des Tages für diese Zusatzwünsche jährliche Rückzahlungsraten gibt. Es ist nicht immer absehbar wann, aber es ist sicher, dass die Erkenntnis kommt: Das Motto "Geiz ist geil", so wie am Klinikum in Bremerhaven zehn Jahre praktiziert, kommt am Ende des Tages teuer zu stehen.

Manche dringend nötigen Maßnahmen sind über Contracting überhaupt nicht finanzierbar. So hätte beispielsweise die ebenfalls dringend nötige thermische Sanierung der Fassade die Contracting-Laufzeit von zwölf auf 30 Jahre verlängert. Und das wollten beide Seiten nicht. Überhaupt ist es so, dass "Geiz ist geil" und seine Folgeerscheinungen (siehe oben) die Contracting-Laufzeiten in den letzten Jahren stark erhöhen, und zwar von sechs auf mittlerweile über zehn Jahre im Schnitt, weiß Siemens- Manager Ullrich Brickmann, dessen Konzern Vertragspartner des Klinikum Bremerhaven ist.

Technisch ist schon heute viel machbar, meist scheitert es daran, dass die Haustechnik tief im Keller versteckt ist, wo sie kein Entscheidungsträger sieht. Andererseits, so Brickmann, sind die Energiepreise immer noch zu gering, um zu einem drastischen Umdenken zu führen. "Die Privatwirtschaft erwartet sich einen Return-on-Investment innerhalb von drei bis fünf Jahren", sagt Brickmann. Heute sind sie noch mehr als doppelt so lange. Die Betonung liegt freilich auf "noch". Die öffentliche Hand ist in Deutschland - siehe Bremerhaven - scheinbar langfristig denkender unterwegs.

Die Energieeinsparungen sind hier im Klinikum jedenfalls beachtlich, wie Jürgen Breuer, technischer Leiter des Klinikums, an einigen Beispielen aufzeigt. So konnte der Energiebedarf für Ferndampf zur Klimatisierung, zum Kochen und zur Sterilisation um rund 6.200 Megawattstunden oder um 72 Prozent verringert werden, was dem thermischen Energieverbrauch von rund 350 Einfamilienhäusern entspricht. Die Klimaanlagen, die nicht zum Operationsbereich oder zur Intensivpflege gehören, beginnen jetzt erst bei einer Außentemperatur von zwei Grad Celsius zu heizen. Bevor jedoch die Temperatur unter diesen Grenzwert sinkt, könne über ein hocheffizientes Wärmerückgewinnungssystem der Abluft so viel Energie entzogen werden, dass kein zusätzlicher Heizbetrieb notwendig sei, so Breuer.

Ein weiteres großes Einsparpotenzial betrifft die bedarfsgerechte Wärmeversorgung des Gebäudes. Durch den Einsatz von hocheffizienten Umwälzpumpen werden rund 50 Megawattstunden Strom pro Jahr eingespart. Durch die Erneuerung der Heizkreisregelung werden die Raumtemperaturen innerhalb der Nachtstunden beziehungsweise außerhalb der Nutzungszeiten in bestimmten Gebäudebereichen abgesenkt. Die Energieeinsparung für die Raumheizung liegt bei rund 5.000 Megawattstunden oder 50 Prozent, das ist in etwa so viel wie 280 Einfamilienhäuser verbrauchen.


Autor:

Datum: 16.01.2009

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Verwaltung

Das Einsparungspotenzial bei den Stromkosten ist in Büros sehr hoch. Energieeffiziente Geräte und sinnvolle Nutzung sparen Geld und Strom. Alte Geräte gehören getauscht und beim Neukauf sollte man zu sparsamen Geräten greifen

Mittels „Green-IT“ können Firmen die Stromkosten für Informationstechnik bis zu 50 Prozent senken. Durch den geringeren Stromverbrauch wird auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet

Mit einem IP-Telefon kann jetzt fast die ganze elektronische Gebäudetechnik gesteuert werden.
sondern auch praktischerweise Türen geöffnet, Alarmsignale ausgelöst, Rollläden geschlossen, Heizungsanlagen reguliert oder Elektromotoren gestartet werde

Nach wie vor gilt die vielfach ausgezeichnete Technik als Revolution: Zusätzlich nutzbare Gebäudefläche, zeitsparende Installation, energiesparend, wirtschaftlich, umweltfreundlich, flexibel und sicher

Facility Management ist ein ganzheitlicher, strategischer und lebenszyklusbezogener Managementansatz, um Gebäude, ihre Systeme, Prozesse und Inhalte kontinuierlich bereitzustellen, funktionsfähig zu halten und an die wechselnden Bedürfnisse anzupassen.

Hausverwaltungen müssen einfach alles können - damit dem Besitzer des Objekts Freiraum für seine eigentlichen Kernkompetenzen bleibt. Ohne Profi-Hausverwalter ist es heute nicht mehr möglich, gewinnbringend zu wirtschaften.

Der Skyline Tower in München ist noch vor seiner Fertigstellung mit dem Vorzertifikat zum Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen in Gold ausgezeichnet worden. Der Tower erfüllt die höchsten Ansprüche an Energieeffizienz.