Fenstergriffe und -beschläge nicht vernachlässigen

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Beschläge und Griffe komplettieren das Fenster - die einen technisch, die anderen zusätzlich auch optisch. Finden Sie hier die wichtigsten Infos zu Material, Technik und Design und erfahren Sie, was das alles mit Oliven zu tun hat.

 

 

Fensterbeschläge verbinden den Fensterflügel mit dem Fensterrahmen. Das zentrale Bedienelement an Fensterbeschlägen ist der Drehgriff, mithilfe dessen das Fenster geöffnet, geschlossen oder gekippt werden kann.

Fensterbeschläge auf Fenstermaterial abstimmen

Die Beschläge sollten immer passend zur Öffnungsart und Fenstergröße gewählt werden. Es gibt sie aus Edelstahl (nass oder trocken geschliffen entsteht eine metallische, matte oder glatte Oberfläche), Aluminium (eloxiert und dadurch silbrig weiß und matt) oder Messing (poliert, vernickelt oder verchromt). Die Kunststoffvariante wird aus Polyamid hergestellt, ist in den RAL-Farben (=normierte Farben) durchgehend eingefärbt und hat eine ganz glatte Oberfläche. Für welche Variante Sie sich entscheiden, hängt von Fenstermaterial, Stil und persönlichen Vorlieben ab.

Welche Beschläge für welche Fensterarten?

Entsprechend der vielen Fensterarten, Fenstergrößen und Rahmenwerkstoffe (Holz, Kunststoff, Aluminium und Kombinationen) gibt es eine Vielzahl an Beschlags- und Verschlusssystemen für Fenster. Bei der Wahl von Fensterbeschlägen sollten Sie nicht nur optische Kriterien berücksichtigen, sondern vor allem auch technische. Beschläge sind nämlich nicht nur Zierde, sondern in Wahrheit der zentrale Fenster-Bauteil zum Öffnen und Schließen. Sie bestimmen über Luftdichtheit, Schlagregendichtheit und Einbruchshemmung genauso wie die Bedienfreundlichkeit. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Beschlagskomponenten eines Systems, z. B. eines Drehflügelfensters, aufeinander abgestimmt sind.

Was ist ein Komplettbeschlag?

Komplettbeschläge für Fenstersysteme zeichnen sich dadurch aus, dass jedes der einzelnen Elemente für die Verschluss- und Bewegungsfunktion auf alle anderen Beschlagselemente abgestimmt ist. Beim Drehkippflügelfenster kommen z. B. so gut wie keine Standardbeschläge zum Einsatz. Stulp, Getriebe, Verschlusszapfen, Eckumlenkung, Ecklager, Schere usw. sind Systemteile, die zueinander passen müssen, damit das Fenster einwandfrei funktioniert. Beschläge für Schwing- und Wendeflügelfenster setzen sich aus den speziellen Schwing- und Drehlagern sowie aus dem zugeordneten Zentralverschluss zusammen. Kipp- oder Klappflügelfenster müssen Beschläge aufweisen, die eine ungefährliche Bedienung und Reinigung gewährleisten. Auch für Sonderwünsche und besondere Anforderungen gibt es die passenden Fensterbeschläge, beispielsweise Scheren für die Öffnungsbegrenzung, Bremsbänder, Arretierung für Kipp- oder Drehpositionen und so weiter.

Was haben Fenstergriffe mit Oliven zu tun?

Fenstergriffe wurden früher augfrund ihrer Form auch (Voll-)Oliven genannt. Sie kennen solche Fensteroliven mit Sicherheit von den traditionellen Kastenfenstern, welchen sie ein traditionelles, fast antikes Aussehen verleihen. Das Wort Olive ist im Sprachgebrauch erhalten geblieben, es wird oft auch als übergeordneter Begriff für Fenstergriffe in allen Varianten verwendet. Moderne einarmige Hebel- bzw. Drehgriffe haben die Oliven weitestgehend abgelöst. Ihr Siegeszug kommt nicht von ungefähr: Sie lassen größere Kräfte beim Bewegen des innenliegenden Beschlags zu und zeigen bereits von Weitem den Verschlusszustand des Fensterflügels an. Einen Mix aus Volloliven und modernen Fenstergriffen stellen die sogenannten Halboliven dar. Anders als bei der Vollolive, zeigt der Griff wie ein moderner Fenstergriff nur in eine Richtung. Da der Griff länger ist, eignet sich die Halbolive besonders für große Fensterflügel, bei denenmehr Kraft zum Öffnen und Schließen aufgewendet werden muss.

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Mit versperrbaren Fenstergriffen sicher gegen Einbruch

Damit ein Fenster einbruchssicher ist, muss der Beschlageinbau auf die gesamte Fensterkonstruktion abgestimmt sein. Rahmen, Fensterglas und die mechanische Verriegelung bilden hierbei eine zusammenhängende Einheit. Egal, ob bei neuen oder alten Fenstern - die Bedienungsgriffe sollten versperrbar eingerichtet werden. In einem abschließbaren Fenstergriff ist ein Schließzylinder integriert. Dazu gehört ein Schlüssel oder alternativ eine Zahlenkombination. Ist das Fenster durch den Fenstergriff erst einmal in der entsprechenden Stellung verriegelt und abgeschlossen, kann der Griff in keine andere Stellung mehr gedreht werden und lässt sich nur noch mithilfe der Abschließfunktion entriegeln. Werden versperrbare Fenstergriffe montiert, sollten die Fensterbeschläge mit Pilzkopfverriegelungen ausgestattet sein. Dieser Fensterbeschlag bietet mit seinen pilzkopfförmigen Zapfen und entsprechenden Schließteilen einen Aushebelschutz. Beim Schließen des Fensters hakt sich der Pilzzapfen am Fensterflügel in das auf der Rahmenseite angebrachte Schließteil ein und erhöht so den Schutz gegen Einbrüche.

Einfacher zu handhaben als der Fenstergriff mit Schloss ist der Fenstergriff mit Druckknopf. Hier wird zum Abschließen kein Schlüssel benötigt, sondern es genügt ein Druck mit dem Finger auf den Druckzylinder, wodurch die Verriegelung ausgelöst wird. Eine solche Verschlusstechnologie erleichtert Ihnen das Lüften und Reinigen.

Neben verschließbaren Griffen und Oliven schützen Scharniersicherungen, Fensteraushebesicherungen, Dachflächenfenstersicherungen, Doppelflügelschlösser, Aufbruchsperren und Schlösser zur Absicherung von Schwachstellen vor Einbrüchen.

Bei Sicherheit auf Qualität und Preis achten!

Empfehlenswert sind abschließbare Fenstergriffe, die zumindest einen Widerstand von 100 nm (=Newtonmeter) aufweisen. Es gibt auch Ausführungen mit Widerständen gegen Krafteinwirkungen von bis zu 200 nm, die einen überdurchschnittlich hohen Schutzfaktor besitzen. Entscheiden Sie beim Kauf jedenfalls nicht nach dem günstigsten Preis (Fenstergriffe gibt es bereits ab fünf Euro). Gute absperrbare Fenstergriffe gibt es ab 20 Euro.

Sinnvoll, aber teuer: elektronische Fenstersicherung

Obwohl elektronische Meldesysteme mechanische Beschläge und Sicherungen sinnvoll ergänzen können, werden elektronische Sicherungs- und Kontrollvorrichtungen bei Fenstern aufgrund der hohen Kosten nach wie vor eher selten eingebaut. Neue Systeme verfügen neben funkgesteuerten Einbruchsmeldern auch über Gefahrenmelder, wie z. B. Gas- oder Rauchmelder. Tritt etwa Rauch auf, erkennt das System, ebenso wie beim gewaltsamen Öffnen des Fensters, die Gefahr. Das Magnetfeld wird unterbrochen und der Impuls an die Alarmzentrale weitergegeben. Zudem können Fensterschlösser über Funk mit der Haustechnik bzw. mit einem Smart Home-System verbunden werden und über Kontaktsensoren einen Einbruch an die Haustechnikzentrale melden. Je nach den gewählten Einstellungen des Hausbesitzers wird dann ein stiller Alarm oder ein akustischer und/ oder optischer Alarm aktiviert.

Eine elektronische Fenstersicherung sorgt aber nicht nur für Sicherheit und Komfort, sie kann außerdem dabei helfen, den Energieverbrauch zu senken, indem automatisch belüftet wird. Raumluft-Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, und CO2-Konzentration können entsprechend der gemessenen Werte und der vorher festgelegten maximalen bzw. minimalen Grenzwerte automatisch reguliert werden.

Wartung ist Pflicht!

Eine regelmäßige Wartung von Fensterbeschlägen trägt zur langfristigen Funktionssicherheit Ihrer Fenster bei. So sollten sicherheitsrelevante Beschlagteile wie Eck- und Scherenlager von einem Fachmann auf Verschleiß und Abnutzung kontrolliert werden. Eventuell müssen Befestigungsschrauben nachgezogen bzw. einzelne Teile ausgetauscht werden. Ungefähr alle zwei Jahre sollten Beschläge, insbesondere bei den Ecklagern und Scheren, nachgestellt werden. Außerdem sollten einmal jährlich folgende Wartungsarbeiten durchgeführt werden:

  • Alle beweglichen Teile und Verschlussstellen auf Funktion prüfen
  • Fensterbeschläge ölen: Ausschließlich säurefreie Öle und Fette verwenden! Generell sollten für Fenster ausschließlich Reinigungs- und Pflegemittel verwendet werden, die den Korrosionsschutz der Beschlagteile nicht schädigen.

Fenstergriffe auswechseln - So wird's gemacht

Fenstergriffe auswechseln ist leicht gemacht. Hier die Schritt für Schritt-Anleitung:

  1. Blende lösen: Stellen Sie den Griff waagerecht, um an die Schrauben zu gelangen, die den Griff mit dem Fenster verbinden. Dann können Sie die Blende, die über den Schrauben sitzt, für gewöhnlich einfach verdrehen. Einige Schmuckblenden sind eventuell geklebt. Dann müssen Sie diese vorsichtig mit einem Cuttermesser lösen.
  2. Schrauben herausdrehen und Griff abziehen: Es kann passieren, dass die Schrauben besonders fest sitzen. Sie können sich damit behelfen, dass Sie ein wenig Öl auf die Schrauben auftragen, damit Sie den Schraubenkopf nicht ruinieren. Wenn Sie die Schraube erst ausbohren müssen, haben Sie einen erheblichen Arbeitsaufwand. Sobald die Schrauben herausgelöst sind, können Sie den Griff recht einfach abziehen. Reinigen Sie die Stelle, an der die Griffblende aufgelegen hat nun gründlich. Meist hat der neue Griff nicht ganz die gleiche Form der Halterung.
  3. Neuen Fenstergriff anbringen: Stellen Sie den neuen Fenstergriff in die gleiche Position, die der alte beim Ausbau hatte. Dann wird der Vierkant in den Fensterrahmen eingeschoben. Bei den meisten Griffen sind neue Schrauben dabei, sie können aber auch die alten wiederverwenden. Sie sollten jedenfalls fest angezogen werden, damit der Griff kein Spiel hat. Nun muss nur noch die neue Blende wieder geschlossen werden und der neue Fenstergriff ist einsatzbereit.

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AutorIn:

Datum: 09.10.2019
Kompetenz: Fenster und Glas

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