Erker: Das Revival eines Klassikers

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Erker in einer modernen, zeitgemäßen Interpretation erfreuen sich großer Beliebtheit. Wie Sie dieses besondere Gestaltungselement planen und auch im Nachhinein anbauen, erfahren Sie hier.

In der kubischen, sich der Energieeffizienz verschreibenden Architektur haben sie eigentlich schon seit Jahren keinen Platz mehr, diese runden oder mehreckigen, mit Fenstern ausgestatteten Vorsprünge, welche Platz für eine Sitzecke oder den Lesesessel bereitstellten. Doch jetzt ist eine moderne Interpretation des klassischen Erkers am Vormarsch: Indem ein Raum an einer Seite geöffnet wird oder vorhandene Fenster nach außen erweitert werden, zeigt sich der altmodische Mauervorsprung in neuem Gewand und wird zum verglasten Vorbau. Das Resultat? Der Wohnraum wird größer, der Tageslichteinfall steigt.

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Was ist ein Erker?

In seinem Wortursprung ist der Erker eine Mauerausbuchtung, ein überdachter, geschlossener Mauervorsprung, der über ein oder mehrere Geschoße reicht. Er ist begehbar und mit Fenstern versehen. Eine Sonderform des Erkers ist die Auslucht oder der Standerker, also ein ebenerdiger Mauervorsprung.

Erker clever planen: Ist-Bestand nutzen

Viele Einfamilienhäuser – besonders aus den späten 80er und frühen 90er Jahren – besitzen den fast obligatorischen Erker. Ein solches Bauelement aus dem "Altbestand" lässt sich architektonisch ins 21. Jahrhundert holen, indem schmale Rahmen eingezogen werden, aus den Fenstern deckenhohe Verglasungen gemacht werden und eventuell auch ein Glasdach eingezogen wird. Auch bereits vorhandene Fenster können vergrößert und mittels Vorsprung „nach draußen“ gezogen werden. In Altbauten werden überwiegend Sprossenfenster als Erkerfenster verbaut, in Neubauten findet man dagegen häufiger Kastenfenster.

Baugenehmigung

Für den Erker brauchen Sie eine Baugenehmigung. Es muss ein Antrag bei der zuständigen Baubehörde oder bei der Gemeinde eingereicht werden. Dieser Antrag muss die Einreichpläne mit Grundriss, Schnitt und Ansichten, die Baubeschreibung mit Energieausweis und einen aktuellen Grundbuchauszug beinhalten. Auch eine Planskizze kann beigefügt werden. Um Zeit zu sparen, sollten Sie sich vorab darüber informieren, welche Dokumente der Antrag enthalten muss. Je nach geltendem Raumordnungsgesetz und Bestimmungen der Gemeinde können zusätzliche Unterlagen eingefordert werden.

Das kostet ein Erker

Die Kosten für einen Erker beginnen bei ca. 6.000 Euro und variieren natürlich je nach Größe, Bauweise und Material. Bei einem Neubau lässt sich einiges sparen, denn viele Hausbaufirmen bieten Häuser an, in deren Grundriss ein Erker bereits miteingeplant ist. Teurer wird es, wenn der Erker nachträglich an die Immobilie angebaut wird, weil Wände und eventuell auch das Dach rückgebaut werden müssen und der Fußboden dem Wohnraum angepasst werden muss.

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Vorteile: mehr Platz, mehr Licht

Während besagte Mauervorsprünge an den Außenwänden vieler Gründerzeithäuser und anderer Altbauten zum gewohnten Bild gehören, schafft es der verglaste Erker nun auch im Rahmen der Modernisierung alter Wohnblöcke zu neuen Ehren. Nicht nur, dass die Fassade dadurch belebt und individualisiert wird, solche Vorsprünge bringen auch viel Licht und einige Quadratmeter mehr in die Wohnungen.Speziell Eckerker können den Lichteinfall optimieren, da durch sie ein Blickwinkel von 45 bis 270 Grad möglich wird. Auch Erker an der Fassade verfügen über diese Vorteile, jedoch in etwas abgeschwächter Form. Besonders Schlaf- und Wohnzimmer lassen sich wunderbar durch einen Erker ergänzen: Sie erweitern den Raum und bieten (sofern Sie keine bodentiefen Fenster einbauen) eine zusätzliche Sitzgelegenheit auf der Fensterbank bzw. -nische.

Gestaltungsideen für Ihren Erker

Leseecke, Sitznische, Arbeitsplatz: Die Nutzungsmöglichkeiten des aufgrund einesmodernen Erkers gewonnenen Raumes sind vielfältig. So kann eine umlaufende, fest eingebaute Sitzbank unter den Fenstern eingepasst, ein alter Ohrensessel in Szene gesetzt oder ein Hängestuhl, z.B. aus Weidengeflecht, an der Decke des Erkers befestigt werden. Auch ein Alkoven, sprich eine gemütliche Schlafnische, bietet sich an. Dabei sollte man nicht auf seine Privatsphäre vergessen: Rollläden oder Jalousien sind zum Sichtschutz unabdingbar und bieten darüber hinaus Sonnenschutz. Da Erker auch in den Wintermonaten hell und warm sind, eignen sie sich auch gut für den Anbau tropischer Pflanzen. Sehr stilvoll und schwerelos wirken Pflanzampeln oder Rankpflanzen, da sie dem Erker optisch mehr Tiefe verleihen. Auch bepflanzte Glaskolben oder Glühbirnen, dezent im Fensterrahmen angebracht, sind eine interessante Dekoidee.

Grundsätzlich braucht jeder Erker eine individuelle Lösung, welchefast immer nur mit Einbaumöbeln zu realisieren ist. Kleine Erker lassen sich dank schmaler Bücherregale (30 cm Tiefe) z. B. in eine Bibliothek verwandeln. Will man beispielsweise einen Tisch in den Erker stellen, benötigt man eine Raumtiefe von mindestens vier Metern, wobei ein großer Esstisch auch in den angrenzenden Raum hineinragen kann. Einen Arbeits- bzw. Schreibtisch passt man am besten an die Erkerform an, um keinen Platz zu verschenken.

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Nachteil: weniger Dämmleistung

Der größte Nachteil eines Erkers ist neben den relativ hohen Kosten vor allem der schlechtere Dämmwert des Erkerdachs im Vergleich zu einem herkömmlichen Dach. Grund dafür ist die größere Oberfläche des Erkers, denn neben dem Dach des Erkers kommen noch die Außenwände hinzu, durch die aufgrund von Wärmebrücken hohe Wärmeverluste und letztlich auch Schimmel entstehen können. Außerdem muss man infolge des Wärmeverlustes mit höheren Energiekosten rechnen.

Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von Rahmen und Verglasung bei einem Erker spielen eine besonders wichtige Rolle. Sparen Sie nicht am falschen Ende, sondern setzen Sie auf hochwertige Energiesparfenster mit Dreifachverglasung – die Mehrkosten amortisieren sich sehr schnell dank geringerer Heizkosten!

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Datum: 17.10.2019
Kompetenz: Wintergärten

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