IG Lebenszyklus Bau: Neuer Award, frische Info-Leitfäden

Ein Studien-Check zur erfolgswirksamen Qualitätskultur, druckfrische Fachpublikationen rund um lebenszyklusorientiertes Planen, Bauen und Betreiben sowie die Topthemen Digitalisierung und Automatisierung und ein neuer Projekt-Preis mit dem man laut Initiator, ein nicht ganz risikofreies Experiment eingegangen sei: Bei der Herbsttagung der IG Lebenszyklus Bau, die am 17. Oktober in der WKÖ unter dem Motto "Change the Business" stattfand, wurden das Branchenradar geschärft und die vom Interessensverband aufgestellten Hypothesen der Bau- und Immobilienwirtschaft wissenschaftlich bestätigt.

Um den neu ausgeschriebenen Preis zu definieren, müsse man verstehen, was ein gutes Haus ausmachen könne, sagte Wettbewerbs-Chef und Juryvorsitzender Christoph Achammer von ATP architekten ingenieure kurz vor der Mitgliederversammlung vor Journalisten. Was seiner Bedeutung dient, gemeinhin von allen Beteiligten und Nutzern als schön beschrieben werden kann und – wichtig – Ressourcen schont, hatte es unterm Strich auch auf die Nominierungsliste geschafft. „Die Anzahl und das hohe Niveau der eingereichten Projekte belegen die Bedeutung und die Wirksamkeit einer qualitativen Verbindung von lebenszyklusorientierten Prozessen, einer partnerschaftlichen Projektkultur und einer ergebnisorientierten Organisation in der Praxis“, so Achammer.

In Summe wurden 22 Projekte eingereicht. Nach einem intensiven Vorprüfungsverfahren entschied sich die zehnköpfige Jury – bestehend aus Vertretern von Mitgliedsunternehmen der IG Lebenszyklus Bau sowie klimaaktiv, der Plattform Innovative Gebäude und der Wirtschaftskammer Österreich – für sieben Projekte, die für den Lebenszyklus-Award 2016 nominiert wurden. Die Nominierten stellten sich den Fragen der Juroren, die in einem offenen Dialog die Sieger (einmal aus dem gewerblichen Sektor und einmal aus dem Bereich Wohnen; alle im Bild) herausfilterten – und zwar einstimmig.

Die Lebenszyklus-Award-Sieger

Mit dem Award 2016 wurde der niederösterreichische Windstromproduzent Windkraft Simonsfeld für seine neue Firmenzentrale, ein Plusenergiegebäude im niederösterreichischen Ernstbrunn, ausgezeichnet. Ausschlaggebend für die Auszeichnung sei laut Jury insbesondere der interdisziplinäre Zugang des Projektteams entlang des gesamten Gebäudelebenszyklus vom Architekturwettbewerb über die Planung und Errichtung bis hin zum Betrieb gewesen.

Der Verein „Wohnprojekt Wien“ und der gemeinnützige Bauträger Schwarzatal erhielten den Award für das Wohnprojekt Wien in der Leopoldstadt. Die Jury lobte hier das basisdemokratische Vorgehen. Im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen hätte ein nachhaltiges Wohngebäude geschaffen werden können, das verschiedene Generationen, Sprachen, Kulturen und Berufe unter einem Dach vereint.

Eine Sonderauszeichnung wurde dem Generalplanerteam rund um Nussmüller Architekten ZT und dem AEE - Institut für Nachhaltige Technologien zuerkannt, das die Sanierung der Wohnhausanlage e80^3 - Johann-Böhmstrasse in Kapfenberg in der Steiermark initiiert hat. Die Ehrung gab es hier für eine lösungs- und produktorientierte Methode, mit der ein Mehrfamilienhaus aus dem sozialen Wohnbau mit einem eigens entwickelten, vorgefertigten Fassadensystem in ein Plusenergiegebäude umgewandelt wurde.

Mit dem Special Award „Kommunales Engagement“, der bereits im Zuge des Kommunalwirtschaftsforums am 20. Oktober in Graz verliehen worden war, hat der Expertenzirkel das GBG Gebäude- und Baumanagement Graz für die Volksschule Mariagrün in Graz ausgezeichnet. Laut Jury sei es in diesem Fall dem Bauherrn gelungen, eine der ersten Schulen in Österreich zu errichten, die dem Prinzip des offenen Lernens im Sinne des „Bauwerkes als dritter Pädagoge“ verpflichtet sei. Besonders hervorgehoben wurde die konsequent umgesetzte Einbindung der Nutzer vom Lehrer bis zum Kind in allen Phasen des Projekts von der Planung über die Errichtung bis zum Betrieb.

Studie zur Projektkultur: Nagelprobe wurde bestanden

Dass Signale des Miteinanders und der Wille zum Dialog über den monetären Projekterfolg mitentscheiden, hat eine interdisziplinär besetzten Arbeitsgruppe der IG Lebenszyklus Bau in Kooperation mit der TU Wien und der TU Graz herausgefunden. Der Zusammenhang zwischen der gelebten Projektkultur und dem wirtschaftlichen Erfolg von 25 Neu- und Umbauprojekten öffentlicher und privater Bauherren im Hoch- und Infrastrukturbau sei immanent, so der Leiter der Arbeitsgruppe Wolfgang Kradischnig bei der Präsentation. „Die Studienergebnisse zeigen einen hohen Einfluss der partnerschaftlichen Projektkultur auf den Projekterfolg, der sich zum Beispiel durch die Einhaltung von Kosten, Terminen und Qualität definiert."

Leo Hagen/IG Lebenszyklus Bau © Leo Hagen/IG Lebenszyklus Bau

Präsentierten die Neupublikationen 2016 der IG Lebenszyklus Bau: Christoph M. Achammer, ATP architekten ingenieure; Walter Purrer, Initiative Kulturwandel Bau; Karl Friedl, M.O.O.CON; Karl-Heinz Land, Neuland; Wolfgang Gleissner, Bundesimmobiliengesellschaft; Erich Thewanger, KPMG; Stephan Heid, Heid Schiefer Rechtsanwälte und Wolfgang Kradischnig, Delta (v.l.n.r.).  

Neue Leitfäden der IG Lebenszyklus Bau

Im Rahmen der Herbstkonferenz wurde auch der Infobereich upgedatet. Nach dem Leitfaden für den Hochbau, präsentierte die IG eine praktische Orientierungshilfe für den Tiefbau. Damit sollen Auftraggeber und Projektbeteiligte unterstützt werden. „Im Bahn- und Straßenbau, Kraftwerks- und Siedlungswasserbau liegt es auf der Hand, dass sowohl im Hinblick auf die Kosten der späteren Kunden als auch bezüglich der Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft der gesamte Lebenszyklus des Bauwerkes zu betrachten ist“, sagte Arbeitsgruppenleiter Walter Purrer von Initiative Kulturwandel Bau.

Weiter wurde der überarbeitete Leitfaden „Lebenszykluskostenrechnung in der Vergabe“ vorgestellt, der auch die Richtlinien des Bundesvergabegesetzes berücksichtigt. Dieser verstehe sich laut Erick Thewanger von KPMG als praktisches Managementinstrument für öffentliche Bauherren und böte eine Grundlage für die Ausschreibung von Bauvorhaben auf der Basis einer Vollkostenberechnung über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg. Neu ist auch der in Zusammenarbeit mit der Facility Management Austria (FMA) erarbeitete Folder „Planen, Errichten und Betreiben mit BIM". Dieser will erstmals einen Überblick über Wirkung und Herausforderung von Building Information Modeling aus Sicht des Facility Managements liefern.


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Datum: 21.11.2016

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