Smart Billing und Smart Metering sollen EU-Norm erfüllen

Aufgrund einer EU-Richtlinie darf nur mehr der tatsächliche Energieverbrauch verrechnet werden. Das verlangt neue, innovative Modelle – z.B. „Smart billing“ und „Smart Metering“

Die EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (2006/32/EG) verlangt in Artikel 13, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass alle Endverbraucher individuelle Zähler erhalten, die den "tatsächlichen Energieverbrauch des Endkunden und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln", "die Abrechnung auf Grundlage des tatsächlichen Verbrauchs so häufig durchgeführt wird, dass die Kunden in der Lage sind, ihren eigenen Energieverbrauch zu steuern".


Massiver Bedarf also für ein neues Abrechnungssystem bei Energieverbrauch und -kosten, das den Spagat zwischen gut lesbarer, kundenfreundlicher Rechnung und den bestehenden und kommenden Vorschriften schaffen soll. Grundlage dafür sind die im Fachjargon als "Smart Billing" und "Smart Metering" bezeichneten Abrechnungsstrategien.


Österreichischer Feldtest
Unter "Smart Billing" versteht man eine möglichst intelligente und dadurch einfache, kundenorientierte, zum Energiesparen motivierende und mehr Service bietende Abrechnung von Gas- und/oder Stromverbrauch. Genau damit hat sich das Energieinstitut der Linzer Johannes Kepler Universität mit Unterstützung des FFG-Programms "Neue Energien 2020" beschäftigt. In einem Feldtest, der von April 2010 bis April 2011 durchgeführt wurde, waren 1.200 oberösterreichische Haushalte eingebunden.

Dazu Projektleiterin Andrea Kollmann: "Das Projekt E-Motivation hat gezeigt, dass durch gezielte, regelmäßige Stormverbrauchsinformationen für Haushalte, die durch Smart Meter ermöglicht werden, Energieeinsparungen erzielt werden können. In unserem Projekt lagen diese Einsparungen bei 3 bis 4,5 Prozent. Außerdem war die Resonanz der Teilnehmer durchwegs positiv, sowohl was den Inhalt als auch die Häufigkeit der Information – ein Mal pro Monat – anging. Als besonders interessant hoben die Teilnehmer die Möglichkeit den eigenen Stromverbrauch von Monat zu Monat zu verfolgen und zu wissen an welchem Tag am meisten Strom verbraucht wurde, hervor."

Kontrolle aus der Ferne
Unter "Smart Metering" versteht man die neue Entwicklung im Zählerwesen, die durch automatisierte Fernauslesung per Funk quasi in Echtzeit eine völlig neue Datenqualität liefert – sowohl für den Kunden als auch für den Netzbetreiber und Händler. Konrad Peterka von der Oberösterreichischen Ferngas AG meint: "Mit diesen intelligenten Zählern werden die Kunden regelmäßig über ihren Verbrauch informiert. Die neuen Gaszähler sorgen für ein optimales Energiemanagement, denn durch tagesaktuelle Verbrauchsdaten lassen sich auch Einsparungsmöglichkeiten aufzeigen."

In Europa haben insbesondere die skandinavischen Länder, die Niederlande, Italien, Frankreich und Großbritannien erste Erfahrungen mit innovativen Abrechnungssystemen gemacht und auch in der Schweiz, der Türkei, in Australien, den USA und Kanada liegen Studien und Erkenntnisse vor. In Österreich weist ein Pilotprojekt der Linz AG auf ein Einsparpotenzial des Wärmeenergiebedarfs durch ein intelligentes Energiemanagement in der Höhe von sieben Prozent hin. Weitere Aktivitäten sind von der Energie AG Oberösterreich, den Stadtwerken Feldkirch, der oberösterreichischen Ferngas AG und der EVN bekannt.

Schwedischer Feldtest
Im schwedischen Växjö wurden zwei Arten von Smart Metering in neu errichteten Wohngebäuden getestet und mit einer Referenzgruppe ohne intelligente Abrechnung verglichen: Bei beiden Bewohnergruppen wurde jeweils der Strom-, Warm- und Kaltwasserverbrauch gemessen. Gruppe 1 erhielt Infos zu ihrem Verbrauch und den Kosten über ein Display in den Räumen, Gruppe 2 erhielten zusätzlich zu den Infos wie Gruppe 1 auch Textnachrichten auf ihr Display mit individuellen Energiespartipps und ein Verbrauchs-Feedback.

Die Versuchsergebnisse: Beide Bewohnergruppen sparten gegenüber der Referenzgruppe Energie: Gruppe 1 erzielte eine Stromeinsparung von 24 Prozent und Gruppe 2 sogar von 34 Prozent. Der Warmwasserverbrauch beider Gruppen konnte um beachtliche 43 Prozent gesenkt werden. Susanne Geissler von der Austrian Energy Agency zu den Vorteilen von Smart Metering: "Dieses ist zielführend, wenn permanente Einsparungen durch Nutzerverhalten erreicht werden sollen. Aus Studien weiß man, dass unmittelbar nach einer Energieberatung ein maßgeblicher Einspareffekt erreichbar ist, der aber mit der Zeit wieder abnimmt."

Bewusster verbrauchen
Durch Smart Metering werden Nutzer kontinuierlich über das eigene Verbrauchsverhalten informiert. Diese ständige Rückmeldung soll gewährleisten, dass die Einspareffekte durch das Nutzerverhalten andauern. Gerald Rücker von der EVN ergänzt: "Um die Einspareffekte für Österreich zu bewerten und die Kundenakzeptanz für zeitlich variable Tarife zu überprüfen, bedarf es noch einiger Untersuchungen. Daher unterstützt EVN derzeit die Vorgangsweise, sich zunächst österreichweit auf Standards dieser Technologie zu konzentrieren und zu einigen und erst danach eine Einführung zu starten."

Eine von der E-Control im Auftrag gegebene Studie von PricewaterhouseCoopers kommt zu dem Schluss dass der Gesamtnutzen von Smart Metering die Kosten übersteigt, dass also eine Einführung von Smart Meter aus volkswirtschaftlicher Sicht immer positiv ist. Es müssen von den Netzbetreibern zwar entsprechende Investitionen getätigt werden, die positiven Effekte wie höhere Effizienz und geringerer Energieverbrauch beim Kunden (aber auch bei Netzbetreibern und Lieferanten), sind jedoch deutlich höher als die Kosten.

bilderbox.at © bilderbox.at

Der gute alte Gaszähler hat bald ausgedient.


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Datum: 02.03.2012

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