Architekten Fertighaus: Interview mit Planer Josef Kiraly

Was macht heute eine gute Architektur aus? Planer Josef Kiraly im Interview über die zeitgenössische Architektur, planerische Kreativität, heimische Bauzwänge, Trends und das Fertighaus.

Schon in den 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts hat der englische Kunstkenner Sir Henry Wotton in seiner Publikation „The Elements of Architecture“ gesagt: Gute Architektur muss drei Bedingungen erfüllen: Funktionalität, Dauerhaftigkeit und Freude. Wie viel von dieser Philosophie ist heute noch übrig?
Arch. DI Josef Kiraly: Heute gilt wie eh und je: Funktionalität, auf die Kosten schauen, Dauerhaftigkeit und Wartungsfreiheit. Ich würde noch hinzufügen: Sonnenlicht und Wärme für die Behaglichkeit, Ausblick in den Garten und in die Natur.

Im Grunde gilt also die jahrhundertealte Philosophie noch immer, dennoch könnte man bei so manchem Bauwerk der Moderne daran zweifeln. „Wie hoch ist der Anteil an Kreativität in der gesamten Architektenarbeit im Vergleich zu technischen bzw. statischen Aspekten?
Kiraly: Der Anteil an architektonischer Erfahrung und der Mut zur Kreativität können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Leider kommt die Erkenntnis erst dann, wenn es zu spät ist.

Seit Jahren hat man hat den Eindruck, dass speziell im Westen Österreichs ungewöhnlichere, innovativere und kreativere Bauten geschaffen werden, dass schlicht mehr möglich ist als anderswo. Wie sehr beschneiden die regionalen Bauvorschriften kreative Ideen?
Kiraly: Es ist nicht die Baubehörde oder Bauordnung, sondern der gesellschaftliche Druck, mit einer innovativen Architekturlösung nicht als Außenseiter abgestempelt zu werden. Meistens ist es auch die Neidgesellschaft, die sich dadurch vor den Kopf gestoßen fühlt.

Das sieht man im Fertighausverband etwas anders… Aber worin unterscheidet sich nun für den Architekten das Typenhaus bzw. Fertighaus vom Bauträgermodell und worin liegen seine speziellen Aufgabenbereiche?
Kiraly: Ein Fertighaus bedarf der Anpassung der Bewohner an das einzelne Typenhaus. Es kann durchaus seinen Ansprüchen gerecht werden. Ein Bauträgermodell ist nicht nur durch viele ökonomische Zwänge individueller und kostengünstiger, sondern auch sozialer, kommunikativer. Es ist oft eine gelungene Ensemblewirkung (verdichtetes Bauen).

Ist Ihrer Meinung, respektive Erfahrung nach der Bauherr überhaupt bereit, für individuelle Planung entsprechend zu bezahlen? Gibt es eine Faustregel, wie hoch das „Kreativ-Entgelt“ im Vergleich zur gesamten Bausumme ausfallen darf? (Anm. der Red.: In Deutschland gibt es hierfür ein staatliches Diktat mit wenig Spielraum, nach dem vom Gesamthonorar eines Architekten, das seine Tätigkeit von der Grundlagenermittlung bis zur Abschlussdokumentation beinhaltet, nur 11 % für die Entwurfsplanung, also den ästhetisch-künstlerischen Aspekt, kalkuliert werden dürfen.)
Kiraly: Das hängt von der Referenz des Architekten ab, ob der Bauherr bereit ist, dafür Geld auszugeben.
Beim Fertighaus ist es ja mit „all inclusive“ bereits so weit, dass Planung nichts mehr kostet und im Preis dabei ist. Dies hat zum allgemeinen Preisverfall geführt – Gott sei Dank nicht bei mir, aber die jungen Kollegen haben es da schon schwer, sich ihre Lorbeeren zu verdienen.

Wie stark beeinflusst die derzeit verlangte Energieeffizienz eines Hauses dessen Optik?
Kiraly: Ganz entscheidend – Fensterflächen nach Süden sind passive Gewinnflächen für Gratiswärme!

Ist zu beobachten, dass in der Branche das Thema Fertighaus einen besseren Ruf, breitere Anerkennung, größeres Interesse hervorruft als früher, und wenn ja, seit wann ist diese Entwicklung spürbar?
Kiraly: Seitdem so viele Pfuscherfirmen und Planer am Werken sind, die alles billig anbieten, Mist bauen und jede Menge Probleme machen. Daher ist es schwierig, einen Planer seines Vertrauens zu finden, und man geht lieber zu einem sympathischen Fertighausverkäufer, der alles aus einer Hand zum Fixpreis liefert.

 


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Datum: 29.08.2013

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