Frankreich stagniert

Nachgefragt werden am Büromarkt vor allem gut vermietete Core-Objekte in zentraler Pariser Lage. Die Investoren sind aufgrund des knappen Angebotes inzwischen aber auch bereit, stärker in angrenzenden Lagen wie dem Croissant Ouest zu investieren.

Die hohen Staatsschulden im Wert von 1,7 Billionen Euro sowie ein Bankensektor, der einen überproportional hohen Anteil an 'faulen’ Staatsanleihen der PIIGS-Länder hält und dadurch selber ins Trudeln gerät, trugen dazu bei, dass Standard & Poor’s im Januar 2012 das Rating für den französischen Staat auf AA+ abstufte, wodurch Refinanzierung und Schuldenabbau erschwert werden. Das Beschäftigungswachstum blieb mit 0,6 Prozent im vergangen Jahr deutlich hinter den Erwartungen zurück: Im laufenden Jahr wird die Wirtschaftsleistung Frankreichs weitgehend stagnieren.


Île-de-France: Zweithöchster Take-up aller Zeiten
Der Flächenumsatz legte in der Île-de-France im letzten Jahr – dank zahlreicher Großtransaktionen (Anteil von 41 Prozent am Gesamtvolumen!) – gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent zu auf 2,44 Millionen m2. Der Umsatzanteil moderner Büroflächen belief sich dabei auf 85 Prozent. Im Pariser Centre Ouest (inklusive dem zentralen Geschäftsviertel) stagnierte der Flächenumsatz jedoch mangels attraktiver Neubauflächen bei knapp 500.000 m2. Da die Nachfrage vor allem durch Flächenkonsolidierungen getrieben wurde, hat sich die Leerstandsquote in den letzten beiden Jahren kaum reduziert, nämlich lediglich von 6,8 Prozent Ende 2009 auf mittlerweile 6,5 Prozent. Der Anteil moderner Flächen am Leerstand hat sich jedoch auf rund ein Viertel reduziert. Die Spitzenmiete legte daher im letzten Jahr um 6,7 Prozent auf 800 Euro/m² p.a zu, während sich der Abwärtsdruck auf die Mieten von Bestandsflächen in weniger zentralen Lagen bzw mit minderer Qualität erheblich erhöht hat. Wenngleich von Seiten der großen Konzerne ein Bedarf an modernen Großflächen von etwa 850.000 m² besteht, ist angesichts der schwachen Konjunktur auch im laufenden Jahr nicht mit einem signifikanten Leerstandsrückgang zu rechnen. Die Spitzenmiete bleibt tendenziell stabil. Die französischen Regionalzentren haben sich in den letzten Quartalen unterschiedlich entwickelt. Während die Spitzenmieten in kleineren Büromärkten wie Nantes, Metz und Straßburg anstiegen, entwickelten sie sich in den größeren Bürostandorten wie Lyon und Marseille tendenziell stabil.


Anlagemarkt: Schwächere Entwicklung prognostiziert
Das Transaktionsvolumen am Gewerbeimmobilienmarkt Frankreichs stieg im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel auf 17,2 Milliarden Euro an. Davon entfielen zwölf Milliarden Euro auf Büroimmobilien (davon Anteil der Île-de-France 86 Prozent). Das Umsatzvolumen im 1. Quartal 2012 entsprach mit 2,2 Milliarden Euro (davon 1,3 Milliarden Euro Büro) etwa dem Niveau des Vorjahresquartals. Nachgefragt werden vor allem gut vermietete Core-Objekte in zentraler Pariser Lage. Die Investoren sind aufgrund des knappen Angebotes inzwischen aber auch bereit, stärker in angrenzenden Lagen wie dem Croissant Ouest zu investieren. Die Spitzenanfangsrendite von Paris ist im Laufe des Jahres 2011 auf 4,6 Prozent gesunken, um im ersten Quartal 2012 aufgrund der trüberen Mietmarktaussichten wieder auf 4,70 Prozent anzusteigen. Eine ähnliche Entwicklung war in den Regionalzentren zu beobachten, wo die Prime Yields zu Jahresbeginn um bis zu 20 Basispunkte auf 6,1 Prozent (Lyon) bis 6,9 Prozent (Straßburg) zulegten. Prognosen für 2012 lassen ein geringeres Transaktionsvolumen und tendenziell weiter steigende Spitzenanfangsrenditen erwarten.


(Quelle: IVG-Marktreport "Europäische Büroimmobilienmärkte 2012")

IVG Research © IVG Research

Konjunkturdaten

IVG Research © IVG Research

Büromarkt Île de France

IVG Research © IVG Research

Investitionsmarkt Frankreich


Autor:

Datum: 17.07.2012

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Trotz vieler Unkenrufe: Die Assetklasse Handel zieht. Internationale Retailer werfen wieder ein Auge auf Europa – und verstärkt auch auf Österreich. Wien rangiert laut einer aktuellen Branchenstudie weltweit unter den Top 10-Städten für internationale Einzelhändler wie Walter Wölfler, Head of Retail CEE & Österreich bei CBRE (im Bild), gegenüber der Presse betont.

Langsamere Preissteigerungen in allen Segmenten – im Schnitt nahe an der Inflationsrate: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentierte heute vor Journalisten den Immobilienpreisspiegel 2017, der in Kooperation mit ZT datenforum erarbeitet wurde.

Laut den jüngsten Zahlen eines österreichischen Branchenmagazins hielt Re/Max 2016 den Spitzenplatz unter den Immobilien-Franchisern: Aktuell wird dort für das abgelaufene Jahr 2016 ein Umsatz von 44,2 Millionen Euro ausgewiesen. Platz eins gab es für das Netzwerk auch in drei weiteren Kategorien. Und auch 2017 ist laut Maklernetzwerk gut angelaufen.

Österreichs größtes Maklernetzwerk mit seinen mittlerweile 60 Mitgliedsunternehmen begeht dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, nahm das Jubiläum zum Anlass um zurückzuschauen und – „als neutrales Sprachrohr“ – heiße Eisen, wie etwa die heiklen Themen Maklerprovision und Mietrecht, anzusprechen.

Laut Re/Max ImmoSpiegel wurden 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent mehr Einfamilienhäuser verkauft und verbüchert. Das sind genau 88 Liegenschaften mehr als im Rekordjahr davor: Der Hype um das Häuschen im Grünen ging also in die Verlängerung. Im Vergleich zu 2012 sind die dafür eingesetzten Mittel gleich um ein knappes Drittel nach oben geschnellt.

CBRE meldete heute die ersten Quartalszahlen zum Wiener Büromarkt 2017: Demnach seien rund 36.000 Quadratmeter Fläche neu vermietet worden. Im Vergleich zum Q1 2016 ergibt das ein Minus von 43 Prozent. Doch der Markt soll den Experten zufolge wieder anziehen: Neue Büroflächen und der in die Wege geleitete Brexit könnten für Bewegung sorgen. Die Erwartungen sind jedenfalls hoch.

Es wird viel investiert. Der Motor der heimischen Immo-Branche brummt: Laut den ersten Quartalszahlen aus 2017, die EHL Immobilien in seinem Marktbericht publiziert hat, wurden Objekte mit einem Gesamtwert von rund 710 Millionen Euro gehandelt. Damit wird im Vergleich zu 2016 ein Plus von 45 Prozent ausgewiesen. Und ein Ende des Höhenflugs scheint nicht in Sicht.

Zinshäuser bleiben heiß begehrt. In Wien aber auch im Rest des Landes: Die Otto Immobilien-Gruppe publizierte diese Woche in ihrem Marktbericht aktuelle Wien-Zahlen. Der Zinshausspezialist Hudej hatte bereits zuvor seine Österreich-Bilanz 2016 veröffentlicht.

Der heimische Stadtmensch will eigentlich aufs Land – die Landbevölkerung von dort nicht weg. So der Tenor einer Market-Studie im Auftrag des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, BAU!MASSIV!, die gestern präsentiert wurde. Der globale Trend, der die städtischen Verdichtungsräume als große „Wunschorte“ ausweise, würde sich den Autoren zufolge hierzulande nicht bestätigen.