Frustrierte Anleger hoffen auf Öffnung der Immofonds

Anleger, die ihr Geld in offene Immobilienfonds gesteckt haben, hoffen auf die baldige Wieder-Öffnung der im Zuge von Notmaßnahmen geschlossenen Finanzprodukte

Aufgrund massenhafter Mittelabflüsse mussten führende Fondsgesellschaften wie Kan-Am, Axa, Pramerica oder zuletzt die Credit Suisse verschiedene Immobilienfonds vorübergehend schließen. Die dreimonatige Frist, in der die Papiere aus den Fonds nicht veräußert werden konnten, nähert sich nun jedoch dem Ende.

Ausgang ungewiss

Die Fondsmanager geraten dadurch erneut in eine Zwickmühle. In der ohnehin prekären Situation ist kaum abzusehen, ob die Anleger ihre Gelder bei einer Öffnung der Anlageformen abziehen oder ihre Anteile behalten werden. Schlimmstenfalls droht ihnen daher eine mögliche Fristverlängerung auf bis zu zwei Jahre.

"Für eine mögliche Fristverlängerung existieren verschiedene Stufen", erklärt Frank Bock, Sprecher des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) http://www.bvi.de, auf Anfrage von pressetext. Dem Investmentgesetz zufolge ist es bei Liquiditätsengpässen von offenen Immobilienfonds "der Kapitalanlagegesellschaft vorbehalten, die Rücknahme der Anteile befristet zu verweigern."

Innerhalb der ersten Frist hat die Gesellschaft unter Wahrung der Interessen der Anleger für die Veräußerung entsprechender Vermögenswerte und damit mehr Liquidität zu sorgen. "Reichen nach Ablauf der drei Monate die 'flüssig gemachten' Mittel für die Rücknahme nicht aus, so sind Immobilien des Sondervermögens zu angemessenen Bedingungen zu veräußern. Die Kapitalanlagegesellschaft kann die Rücknahme bis zu weitere neun Monate verweigern." Schließlich kann die Rücknahmeaussetzung in einer dritten Phase um ein weiteres Jahr verlängert werden. Ein Verkauf der Fondsanteile an der Börse durch die Anleger während der Frist ist nur unter starken Abschlägen von derzeit sechs bis zehn Prozent möglich.

Individuelle Entscheidungen möglich

Zwar spitzt sich die Situation am Immobilienmarkt angesichts der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung weiter zu. Ob die Aussetzungsfrist eines Fonds verlängert wird oder nicht, ist jedoch von der individuellen Verfassung des Topfes abhängig. Dabei profitieren die Anlageprodukte von stabilen Mittelzuflüssen wie Mieteinnahmen und Zinserträgen, was die Hoffnung der Anleger auf eine Öffnung der Fonds nährt. Diese seien trotz der anhaltenden Marktpanik in jedem Fall gut damit beraten, ihre Anteile zu halten. Dem BVI zufolge wirken die Fonds "auch in Zeiten der Finanzkrise als Hort der Stabilität und federn die dramatischen Verluste anderer Bereiche hervorragend ab."

Durch die starke Abwanderung von Anlegern gerieten die offenen Immobilienfonds an den Rand der gesetzlichen Mindestliquiditätsquote von fünf Prozent des Fondsvermögens, weshalb die Möglichkeit zur Anteilsrücknahme für drei Monate ausgesetzt wurde. Marktschätzungen zufolge ist die Zahl der Aktionäre, die in Aktien und Fonds investieren, im Vorjahr bundesweit um bis zu eine Mio. eingebrochen. Davon waren insgesamt elf der 37 im BVI organisierten offenen Immobilienfonds betroffen. Dabei umfassen die vorübergehend geschlossenen Finanzprodukte mit über 30 Mrd. Euro über ein Drittel des gesamten Marktvolumens. (pte)

Das Kapital bleibt aus Sicherheitsgründen weiter gebunden - Frustgefahr!


Autor:

Datum: 13.08.2009

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Eine in puncto Wirtschaftlichkeit strauchelnde Branche? Schenkt man einer McKinsey-Studie, die Produktivitätskennzahlen auf einem globalen Level analysiert hat, glauben, hinkt „der Bau“ dem Rest der Wirtschaftssektoren in puncto Arbeitsleistung zurzeit meilenweit hinterher. Als Grund machen die Autoren, die eine weltweite Unterbilanz von sage und schreibe 1,6 Billionen Dollar pro Jahr hochrechnen, die fehlende Innovationsbereitschaft – Stichwort: Digitalisierung – geltend. In Wien will die IG Lebenszyklus mit einer Initiative, unterstützt von Christoph Achammer (Bild), gegensteuern.

Kein Ende der Immobilien-Rallye: Laut den aktuellen Zahlen des Vermittlernetzwerks Re/Max konnten das „Jahrhundert“-Wachstum des letzten Jahres noch einmal – wenn auch knapp – übertroffen werden. Wie aus dem ImmoSpiegel für das erste Halbjahr 2017 herauszulesen ist, wurden österreichweit um 1,4 Prozent mehr Immobilien verbüchert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Bundesländerranking ist Wien an der Spitze, Rückgänge melden Re/Max zufolge nur das Burgenland und vor allem Vorarlberg. In puncto Wertsteigerung scheint demnächst der Plafond erreicht.

Projektentwickler und Bauträger melden regelmäßig schnelle Verkäufe – meist schon zu Beginn der Bauphase: Die Gründe für den Run auf die eigenen vier Wände mögen individuell verschieden sein, im Regelfall lockt das weiterhin historisch niedrige Zinsniveau. Zudem kurbeln steigende Mieten – speziell in den Ballungsräumen – den Eigentumswohnungsmarkt weiter an. Die Zahl der aufgenommen Kredite steigt jedenfalls, wie auch das Kultur- und Informationsradio Ö1 jüngst berichtet hat.

Der heimische Wirtschaftsmotor brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken. Zuletzt publizierte Zahlen der Statistik Austria zeigen das auch für den gesamten produzierenden Bereich (Sachgüter und Bau). Gemeldet werden für die Untersuchungsperiode Jänner bis April 2017 ein Beschäftigungsplus von 1,8 Prozent (insgesamt 933.797 unselbstständig Beschäftige). In Summe wurden von diesen Umsatzerlöse von 87 Milliarden Euro (plus 4,3 Prozent zur Vorjahresperiode) erzielt. Top: Auch viele der extra ausgewiesenen Produktionszahlen für den Bereich Bau liegen im Plus.

Österreich glänzt auf der internationalen Investmentlandkarte. Laut den jüngsten Zahlen, die CBRE heute vor Journalisten präsentiert hat, wurden in den ersten sechs Kalendermonaten des Jahres Verträge für rund 2,5 Milliarden Euro unterzeichnet. Mehr als die Hälfte (rund 56 Prozent) ist dabei auf das Konto deutscher Anleger gegangen. Die Experten des Immobiliendienstleisters rechnen bis Ende 2017 mit einer weiteren Milliarde. Damit, sagt Georg Fichtinger von CBRE, werde am Rekord aus 2015 gekratzt.

Trotz vieler Unkenrufe: Die Assetklasse Handel zieht. Internationale Retailer werfen wieder ein Auge auf Europa – und verstärkt auch auf Österreich. Wien rangiert laut einer aktuellen Branchenstudie weltweit unter den Top 10-Städten für internationale Einzelhändler wie Walter Wölfler, Head of Retail CEE & Österreich bei CBRE (im Bild), gegenüber der Presse betont.

Langsamere Preissteigerungen in allen Segmenten – im Schnitt nahe an der Inflationsrate: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentierte heute vor Journalisten den Immobilienpreisspiegel 2017, der in Kooperation mit ZT datenforum erarbeitet wurde.

Laut den jüngsten Zahlen eines österreichischen Branchenmagazins hielt Re/Max 2016 den Spitzenplatz unter den Immobilien-Franchisern: Aktuell wird dort für das abgelaufene Jahr 2016 ein Umsatz von 44,2 Millionen Euro ausgewiesen. Platz eins gab es für das Netzwerk auch in drei weiteren Kategorien. Und auch 2017 ist laut Maklernetzwerk gut angelaufen.

Österreichs größtes Maklernetzwerk mit seinen mittlerweile 60 Mitgliedsunternehmen begeht dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, nahm das Jubiläum zum Anlass um zurückzuschauen und – „als neutrales Sprachrohr“ – heiße Eisen, wie etwa die heiklen Themen Maklerprovision und Mietrecht, anzusprechen.