Dunkle Wolken über Portugal

Ausländische Anleger sind in Portugal praktisch nicht mehr am Investmentmarkt tätig. In Lissabon gab es im vergangenen jahr den geringsten Büroflächenumsatz seit 20 Jahren. Die Leerstandsquote stand im Frühjahr 2012 bei 13,7 Prozent.

Portugal musste aufgrund der Verschuldungsproblematik im Frühjahr 2011 unter den Rettungsschirm von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds schlüpfen. Gehalts- und Pensionskürzungen, Streichungen bei den Gesundheitskosten sowie ein deutlicher Stellenabbau im öffentlichen Sektor sollen 2012 die öffentlichen Ausgaben in Höhe von fünf Prozent des BIP entlasten, allerdings mit negativen Konsequenzen für die Binnennachfrage und Beschäftigung. So erwartet die Europäische Kommission für das laufende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung sowie der Gesamtbeschäftigung um jeweils rund drei Prozent.


Lissabon: Geringster Flächenumsatz seit 20 Jahren
Die Sparmaßnahmen der Regierung blieben 2011 nicht ohne Wirkung auf den Büroimmobilienmarkt Lissabons. Mit rund 85.000 m2 lag der Flächenumsatz nicht nur um mehr als ein Drittel unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre; es war sogar das geringste Umsatzergebnis seit dem Jahr 1992. Angesichts der tristen wirtschaftlichen Lage fanden kaum umfangreiche Anmietungen statt. Die bedeutendste Transaktion war die Vermietung von 6.211 m2 an Microsoft (Gebäude Pavilhão Virtual) im Parque das Nações. Der öffentliche Sektor sowie die Immobilien- und Bauwirtschaft sind im letzten Jahr als Flächennachfrager am Mietmarkt quasi ausgefallen. Am aktivsten waren noch Unternehmen aus dem IT- und Finanzsektor (Anteil am Flächenumsatz von jeweils rund einem Fünftel).

Da die Unternehmen aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit keinen Bedarf an zusätzlichen Büroflächen haben, schlägt sich die Neubautätigkeit unmittelbar in einer Ausweitung des Leerstandes nieder. Die Leerstandsquote ist daher seit Ende 2010 stetig angestiegen und bewegte sich im Frühjahr bei 13,7 Prozent. Der Abwärtsdruck auf die Mieten hat sich in den letzten Quartalen erhöht, die je nach Zone um bis zu neun Prozent gegenüber Ende 2010 gesunken sind. Die Spitzenmiete im zentralen Geschäftsviertel fiel um knapp drei Prozent auf 222 Euro/m2 p.a. im 1. Quartal 2012.

Angesichts der scharfen Strukturanpassung bleiben die Aussichten am Büromietmarkt von Lissabon zumindest im laufenden Jahr, wahrscheinlich aber auch in 2013 düster: Der befürchtete Stellenabbau lässt auf eine lahme Flächennachfrage, einen weiteren Leerstandsschub und weitere Mietkorrekturen schließen.

Geringstes Investitionsvolumen seit 2000
Das gewerbliche Investmentvolumen reduzierte sich 2011 gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf rund 300 Millionen Euro, von denen etwas mehr als ein Viertel auf das Bürosegment entfielen. Ausländische Anleger sind in Portugal praktisch nicht mehr am Investmentmarkt tätig, nicht zuletzt aufgrund der unkalkulierbaren Konsequenzen eines möglichen Austritts aus der Eurozone. Aufgrund des erhöhten Länderrisikos und der schwachen Perspektiven am Mietmarkt ist die Spitzenanfangsrendite seit Ende 2010 um 50 Basispunkte auf 7,5 Prozent angestiegen, dem höchsten Niveau seit 1998.

(Quelle: IVG-Marktreport "Europäische Büroimmobilienmärkte 2012")

IVG Research © IVG Research

Konjunkturdaten

IVG Research © IVG Research

Büromarkt Lissabon

IVG Research © IVG Research

Investitionsmarkt Portugal


Autor:

Datum: 17.07.2012

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Trotz vieler Unkenrufe: Die Assetklasse Handel zieht. Internationale Retailer werfen wieder ein Auge auf Europa – und verstärkt auch auf Österreich. Wien rangiert laut einer aktuellen Branchenstudie weltweit unter den Top 10-Städten für internationale Einzelhändler wie Walter Wölfler, Head of Retail CEE & Österreich bei CBRE (im Bild), gegenüber der Presse betont.

Langsamere Preissteigerungen in allen Segmenten – im Schnitt nahe an der Inflationsrate: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentierte heute vor Journalisten den Immobilienpreisspiegel 2017, der in Kooperation mit ZT datenforum erarbeitet wurde.

Laut den jüngsten Zahlen eines österreichischen Branchenmagazins hielt Re/Max 2016 den Spitzenplatz unter den Immobilien-Franchisern: Aktuell wird dort für das abgelaufene Jahr 2016 ein Umsatz von 44,2 Millionen Euro ausgewiesen. Platz eins gab es für das Netzwerk auch in drei weiteren Kategorien. Und auch 2017 ist laut Maklernetzwerk gut angelaufen.

Österreichs größtes Maklernetzwerk mit seinen mittlerweile 60 Mitgliedsunternehmen begeht dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, nahm das Jubiläum zum Anlass um zurückzuschauen und – „als neutrales Sprachrohr“ – heiße Eisen, wie etwa die heiklen Themen Maklerprovision und Mietrecht, anzusprechen.

Laut Re/Max ImmoSpiegel wurden 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent mehr Einfamilienhäuser verkauft und verbüchert. Das sind genau 88 Liegenschaften mehr als im Rekordjahr davor: Der Hype um das Häuschen im Grünen ging also in die Verlängerung. Im Vergleich zu 2012 sind die dafür eingesetzten Mittel gleich um ein knappes Drittel nach oben geschnellt.

CBRE meldete heute die ersten Quartalszahlen zum Wiener Büromarkt 2017: Demnach seien rund 36.000 Quadratmeter Fläche neu vermietet worden. Im Vergleich zum Q1 2016 ergibt das ein Minus von 43 Prozent. Doch der Markt soll den Experten zufolge wieder anziehen: Neue Büroflächen und der in die Wege geleitete Brexit könnten für Bewegung sorgen. Die Erwartungen sind jedenfalls hoch.

Es wird viel investiert. Der Motor der heimischen Immo-Branche brummt: Laut den ersten Quartalszahlen aus 2017, die EHL Immobilien in seinem Marktbericht publiziert hat, wurden Objekte mit einem Gesamtwert von rund 710 Millionen Euro gehandelt. Damit wird im Vergleich zu 2016 ein Plus von 45 Prozent ausgewiesen. Und ein Ende des Höhenflugs scheint nicht in Sicht.

Zinshäuser bleiben heiß begehrt. In Wien aber auch im Rest des Landes: Die Otto Immobilien-Gruppe publizierte diese Woche in ihrem Marktbericht aktuelle Wien-Zahlen. Der Zinshausspezialist Hudej hatte bereits zuvor seine Österreich-Bilanz 2016 veröffentlicht.

Der heimische Stadtmensch will eigentlich aufs Land – die Landbevölkerung von dort nicht weg. So der Tenor einer Market-Studie im Auftrag des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, BAU!MASSIV!, die gestern präsentiert wurde. Der globale Trend, der die städtischen Verdichtungsräume als große „Wunschorte“ ausweise, würde sich den Autoren zufolge hierzulande nicht bestätigen.