Ungarns Autobahnbaugeschichte eine Serie von Skandalen

Eine typische Vorgangsweise der Bauunternehmer ist es, die Arbeitsbücher mit Zaubertinte auszufüllen. Bei Kontrollen erscheinen die Arbeiter als arbeitsrechtlich korrekt angemeldet, am nächsten Tag sind alle Spuren wieder verschwunden

„Von Schwindlern erbaute Autobahn“ – titelt das ungarische Internetmagazin „Index“ am 7. Dezember. Symptomatisch sei – so der Beitrag auf Basis einer Meldung der ungarischen Nachrichtenagentur MTI –, dass Subunternehmen die Unterlagen der Arbeitnehmer beim Bau der Autobahn M6, die bis 2010 Budapest mit der dann „Europäischen Kulturhauptstadt“ Pécs verbinden soll, nur mit Zaubertinte, die bereits nach wenigen Stunden spurlos verschwindet, ausfüllten.

Strengere Kontrollen gefragt
Damit würden die Arbeitgeber die Pflicht zur Entrichtung der Sozialversicherungsbeiträge für die bei ihnen tätigen Arbeiter umgehen, könne doch so nicht nachgewiesen werden, wie lange diese tatsächlich bei dem südungarischen Straßenbauprojekt mitgearbeitet hätten. Das Arbeitsinspektorat fertigt nun Digitalfotos dieser Arbeitsbücher an und vergleicht diese bei einem zweiten Besuch mit den früheren Fotografien. Im Rahmen dieses Überprüfungsverfahrens wurden insgesamt vierzig Subunternehmen dieser Vorgangsweise überführt

Zudem griffen Beamte des ungarischen Arbeitsinspektorats – der „Landesaufsicht für Arbeitsfragen und –schutz“ bei zirka 75 Prozent aller am Autobahnbau beteiligten Subunternehmen nicht angemeldete Arbeiter auf: zahlenmäßig bedeutet dies 217 Unternehmen. Insgesamt wurden Strafen in der Höhe von 200 Millionen Forint (€ 1 = 263 HUF) ausgesprochen, Bei 149 Unternehmen wurden 380 weitere Ordnungswidrigkeiten und Unregelmäßigkeiten betreffend die Einhaltung der Ruhepausen und Arbeitszeiten, die Lohnauszahlungen, die Zuschläge oder anderer Aufgelder festgestellt.

Großprojekt mit Hindernissen
Der 1,048 Milliarden-Euro-Auftrag zur Errichtung der Autobahn M6 erging im November 2007 an ein von der STRABAG und der französischen „Colas“ angeführtes Konsortium. Die vierspurige M6 wird, als Teil des transeuropäischen Korridors V, Szekszárd mit Pécs verbinden.

Im Rahmen der neuen Autobahn werden vier Tunnelröhren, 83 Brückenkonstruktionen (Viadukte, Unter- und Überfahrungen) sowie fünf Raststationen errichtet. Die Beendigung der Arbeiten waren für den Frühling 2010 geplant, ein schwerer Unfall bei der Errichtung eines Tunnels im Sommer 2008 wird die Fertigstellung voraussichtlich aber verzögern.


Autor:

Datum: 16.02.2009

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Der Gewerbeimmobilienmarkt gibt weiter Gas. Die großen Transaktionen des Jahres befeuern die Rekordjagd, wie unter anderem CBRE mitteilt. Mit Ende September konnte bereits das alte Spitzenergebnis aus dem Jahr 2015 eingestellt werden. Bis zum Stichtag waren vier Milliarden Euro investiert.

Für die teuerste Wohnung im Schottenviertel der Wiener Innenstadt mussten heuer knapp 32.100 Euro je Quadratmeter bezahlt werden – so nachzulesen in der aktuellen Auflage des Wohnungsatlasses. Im Schnitt sind heuer in der Wiener City beim Erstbezug rund 12.600 Euro zu berappen.

Für den Traum vom Haus im Grünen muss immer tiefer in die Tasche gegriffen werden. Vor allem in Wien, Tirol, Salzburg und Vorarlberg explodieren die Preise. Bundesweit sind im Jahresvergleich die Einfamilienhauspreise um 9,4 Prozent gestiegen, im Fünfjahresvergleich sogar um knapp 25 Prozent, wie das Maklernetzwerk Re/Max in seinem aktuellen Einfamilienhaus-ImmoSpiegel ausweist.

Positiver Trend – nicht nur in Stein gemeißelt: Laut Konjunkturerhebung des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie zum ersten Halbjahr 2017 wurde in den über 300 Mitgliedsunternehmen im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Umsatzplus von 3,58 Prozent verzeichnet. In Summe entspricht dies einer Steigerung von 60 Millionen Euro auf 1,712 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten ist indes leicht gesunken. Mit ein Grund ist der Fachkräftemangel.

Der Österreicher Lust auf Betongold ist ungebrochen – und steigt weiter. Bundesweit ist im vierten Halbjahr in Folge die Zahl der verkauften Wohnungen gestiegen. In Summe wurden vom Maklernetzwerk Re/Max, das erneut mit dem Datendienstleister ImmoUnited die aktuellen Verbücherungen erfasst hat, für die ersten sechs Monate des Jahres ein knapp acht-prozentiges Verkaufsplus registriert. Die Quadratmeterpreise steigen – auch im unteren Segment. Insgesamt wechselten 25.160 Wohnungen den Besitzer. Dafür wurden rund 5,3 Milliarden Euro (plus 15,2 Prozent) hingeblättert – ein weiterer Rekord.

Die Zahlen des Konjunkturbarometers des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) für das zweite Halbjahr 2017 spiegeln den allgemeinen Wirtschaftstrend wider. Das Plus sei laut Verband vor allem auf die gute Auftragslage im den Bereichen Wohn-, Gewerbe- und Industriebau zurückzuführen. Laut Analyse nimmt auch die Zahl der Beschäftigten zu: So wollen 14 Prozent der Unternehmen in mehr Manpower investieren. Gleichzeitig steigt in der Branche der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten. Der für 2020 neu fixierte Mindestlohn von 1.500 Euro drückt indes nicht auf das Branchenklima.

Der Wohnbau in Wien zieht stark an. Investoren, vor allem aus Deutschland, würden zunehmend aufmerksamer, wie Georg Fichtinger, Head of Investment Properties beim Beratungsunternehmen CBRE, im Rahmen der Erstpräsentation der inhouse erstellten Ist-Analyse zum Neubaumarkt vor Journalisten mehrmals betont hat. Hintergrund: Die Renditenkluft zwischen Gewerbe und Wohnungsimmobilien schließt sich. Der erste CBRE Wohnungsmarktbericht liefert den Playern, Investoren wie Entwicklern, aktuelle Marktzahlen – auch für den Mietwohnungsmarkt.

Eine in puncto Wirtschaftlichkeit strauchelnde Branche? Schenkt man einer McKinsey-Studie, die Produktivitätskennzahlen auf einem globalen Level analysiert hat, glauben, hinkt „der Bau“ dem Rest der Wirtschaftssektoren in puncto Arbeitsleistung zurzeit meilenweit hinterher. Als Grund machen die Autoren, die eine weltweite Unterbilanz von sage und schreibe 1,6 Billionen Dollar pro Jahr hochrechnen, die fehlende Innovationsbereitschaft – Stichwort: Digitalisierung – geltend. In Wien will die IG Lebenszyklus mit einer Initiative, unterstützt von Christoph Achammer (Bild), gegensteuern.