Adrian Smith

Er ist der Planer der höchsten Gebäude der Welt. Adrian Smith hat nicht nur mit dem Burj Khalifa für Furore gesorgt. Jetzt setzt er abermals Maßstäbe und erdenkt einen über einen Kilometer hohen Turm in Saudi Arabien.

AS&GG Emaar Properties © AS&GG Emaar Properties

Die ersten Skizzen zum höchsten Turm der Welt, dem Burj Khalifa in Dubai.

Der 1944 geborene Stararchitekt ist der Designer des höchsten Gebäudes der Welt (Burj Khalifa in Dubai). Und er soll es bleiben: Erst vor wenigen Wochen erhielt er den Auftrag abermals den Riesen unter den Riesen zu entwerfen – den Kingdom Tower. Mit über 1.000 Meter soll er über die Hafenstadt Dschidda in Saudi Arabien ragen. Dieses Mal wird Smith – nach seinem Abschied von Skidmore, Owings & Merrill - mit seinem eigenen 2006 mit Gordon Gill und Robert Forest gegründeten Architekturbüro AS&GG tätig sein.

AS&GG Emaar Properties © AS&GG Emaar Properties

Was sind die Herausforderung bei der Planung der höchsten Gebäuden der Welt?

Adrian Smith: Die vielleicht größte Herausforderung ist die Wirkung des Windes gegen die Strukturen. Wo die Luft auf die Gebäude trifft, bauen sich Windwirbel auf und verursachen eine seitliche Bewegung der Struktur. Das ist natürlich unangenehm für den Gebäudenutzer. Zur weitgehenden Minimierung haben wir eine Reihe von Design-Strategien entwickelt. Eine davon nennen wir „den Wind verwirren“. Im Wesentlichen geht es darum, eine unregelmäßige Form zu schaffen, die den Wirbeln vollends standhält. In einigen AS+GG-Projekte haben wir geneigte, abgerundete oder konische Formen verwendet, die alle den Winddruck neutralisieren und helfen, die Turmbewegung zu minimieren. Das hat auch den zusätzlichen Vorteil der Reduzierung der Materialmenge, die benötigt wird, um die Struktur zu errichten und reduziert damit auch die Kosten und den Kohlenstoff-Fußabdruck.

AS&GG Emaar Properties © AS&GG Emaar Properties

Modellierung am Computer.

Wie hoch kann es noch gehen? Sind nur die Kosten das Limit?

Smith: Tatsächlich sind die Kosten ein wichtiger Faktor. Extrem hohe Gebäude sind sehr teuer Projekte. Deshalb werden ja auch nur so wenige gebaut. Ein weiteres großes Problem ist der vertikale Transport innerhalb des Turms. Wolkenkratzer haben mehrere Aufzugsanlagen durch Skylobbies verknüpft. Und um auf die höchsten Ebenen eines Turmes zu kommen, muss ständig zwischen Aufzügen gewechselt werden. In einem extrem hohen Turm – mit beispielsweise einer Meile Höhe - wären gleich mehrere Aufzüge zu benutzen, was einfach unpraktisch ist. Bis ein technologischer Fortschritt in Sachen Aufzüge kommt, wird das vielleicht die große Einschränkung sein.

Nach dem höchsten Gebäude und einer großartigen Karriere - haben Sie überhaupt noch Ziele?

Smith: Selbstverständlich. Es gibt noch eine Menge zu tun, zum Beispiel im Bereich der nachhaltigen Architektur-Gestaltung von Gebäuden zu mehr Energieeffizienz und der Co2-Verringerung. Wir müssen auch mehr in Hinblick vorhandener Bausubstanz tun, dem Sanieren solcher Gebäude aus energetischer und klimarelevanter Sicht. Nachhaltige Stadtgestaltung ist ein weiterer Bereich an dem ich sehr interessiert bin. Derzeit gestalten wir eine ein Quadratkilometer große Satelliten-Stadt in China, von der wir erhoffen, dass sie ein Prototyp für hoch energieeffiziente, Kohlenstoff-neutral Städte in Asien und sonst wo wird. Schließlich gibt es noch Raum für weitere Entwicklung und Verfeinerung der Wolkenkratzer-Gebäudetypologie. Wir arbeiten an einem neuen Turm im Nahen Osten, bei dem wir die Erfahrung vom Burj Khalifa einsetzen und uns darüberhinaus noch weiter entwickeln wollen.

AS&GG James Steinkamp © AS&GG James Steinkamp

. ..bis zum endgültigem Resultat: dem Burj Khalifa.

Asien ist Ihr wichtigster Tätigkeitsbereich. Was ist der Grund dafür? Warum gibt es in Europa weit weniger von Ihnen zu bestaunen?

Smith: Ich habe schon mehrere Gebäude in London, darunter 10 Ludgate Place, Teile der Canary Wharf und in jüngster Zeit, 201 Bishopsgate / Broadgate Tower entworfen. Aber es ist wahr, dass ich mehr in Asien und im Nahen Osten gearbeitet habe. Das liegt vor allem einfach daran, dass sich hier Chancen ergeben haben. Ich würde aber sehr gerne mehr in Europa arbeiten.

Eines Ihrer Themen ist das angesprochene "Nachhaltige Bauen": Ist das tatsächlich ein Konzept für Hochhäuser? Was ist hier die Herausforderung?

Smith: Wolkenkratzer wie Burj Khalifa sind von Natur aus nachhaltig, weil sie eine große Zahl von Menschen auf einer kleinen Fläche unterbringen. Das spart landwirtschaftliche Flächen genauso wie es Kohlendioxid-Emission durch den Verkehr reduziert. Sie bieten auch effiziente horizontale und vertikale Transportsysteme, das fördert die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und die schafft stärker begehbare Städten. Wolkenkratzer können aber auch so gestaltet werden, dass sie zusätzliche positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, sozusagen „super-nachhaltig". Diese Strukturen nutzen die Vorteile der starken Windgeschwindigkeiten in höheren Lagen und übernehmen diese in gebäudeintegrierte Anlagen zur Stromerzeugung. Weil sie weniger Schatten ausgesetzt sind kann zudem gebäudeintegrierte Photovoltaik weit effizienter eingesetzt werden. Und tiefe Fundamente bieten sich ideal für geothermische Heiz-und Kühlsysteme an.

Warum ist die "nachhaltiges Bauen" ein so wichtiges Thema für Sie?

Smith: Es ist mir wichtig, weil es für die ganze Welt wichtig ist. Energie wird immer teurer, und wir müssen Wege finden, um sie zu speichern und zu teilen. Darüber hinaus, aus einer noch größeren Perspektive, die menschliche Rasse hat einfach auf die Herausforderung des Klimawandels zu reagieren. Die Leute denken, dass Autos den größten Beitrag bei den Kohlendioxid-Emissionen liefern, tatsächlich sind es aber unsere Gebäude. Architekten nehmen damit eine wichtige Rolle im Umgang mit diesem Thema ein. Wenn wir unseren Job gut machen, können wir buchstäblich die Welt zu retten. (Helmut Melzer)


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Datum: 29.03.2012

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