Gebäude brauchen Bedienungsanleitung

Die beste Technologie funktioniert nur unter Einbindung des Nutzers. So sind sich Experten einig, dass der nachhaltige Betrieb und die Wartung von Gebäuden Erklärungsbedarf für die Bewohner aufweisen.

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Beim Round Table-Gespräch des Nachhaltigkeitsbeirat im Fachverband der Stein- und keramischen Industrie waren sich die Experten einig, dass moderne Gebäudetechnik Erklärungsbedarf aufweist.

Heute sind der Gebäudetechnik praktisch keine Grenzen gesetzt. Nicht zuletzt auf Grund des Energieeffizienzgesetzes sollen Neubauten einen möglichst geringen Heizwärmebedarf aufweisen und werden zum Beispiel mit hochmodernen Lüftungsanlagen inklusive Wärmerückgewinnung ausgestattet, spezielle Beschattungssysteme oder High-Tech Heizanlagen eingebaut. Im Altbestand setzt man auf Sanierung und rüstet auch hier technisch nach. Gerne vergessen wird dabei aber: Die beste Technologie funktioniert nur unter Einbindung der Nutzer.

Nutzer unter der Fuchtel von Technik?

So stellt der Techniksprecher des Nachhaltigkeitsbeirats im Fachverband der Stein- und keramischen Industrie und Geschäftsführer von Bauhütte Leitl-Werke, Martin Leitl, die Frage in den Raum: „Muss der Bewohner sein Verhalten dem Gebäude anpassen oder sollte nicht doch das Gebäude den Wünschen und Gewohnheiten der Bewohner entsprechend geplant werden?“ Und Michael Kunze, Emeritus des Instituts für Sozialmedizin an der Medizinischen Universität Wien und Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirats im Fachverband, ist überzeugt: „Nachhaltigkeit ist mehr als Technik: Die Lebenszyklen von Gebäuden und Menschen müssen zusammen kommen.“ Was es mehr denn je braucht, sind nicht nur bedienerfreundliche Technologien, sondern auch Anregung und Anweisung zum richtigen Umgang mit dem Zu Hause. Die Experten des Beirats sind sich einig: Gebäude brauchen eine Bedienungsanleitung.

Interesse wecken

Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, dass die angepriesenen Energiekennzahlen der Neubauten oder nach Sanierung nicht erfüllt werden können. Vor allem in Wohnungen und Häusern in Zweitbesitz oder nach einem Mieterwechsel, werden in vielen Fällen die Anlagen nicht richtig angewendet, ist Leitl sicher. „Denn wer sich solche Anlagen selbst aussucht, interessiert sich auch dafür und hat an der richtigen Nutzung ein Interesse. Sobald das Objekt aber weiter gegeben wird, sinkt das Interesse der Bewohner erfahrungsgemäß. Hier gilt es, die Neugierde der neuen Bewohner zu wecken und eine ausführliche Einführung zu bieten.“

Gebäude nutzt jeder intuitiv

Helmut Floegl, Leiter des Zentrums für Facility Management an der Donau-Universität Krems ergänzt: „Gebäude nutzt jeder intuitiv. Aber man muss über den Betrieb sowie die Pflege und Wartung Bescheid wissen. So müssen zum Beispiel in Wohnbauten die Filter von Lüftungsanlagen regelmäßig getauscht werden. Für den Filterwechsel sind in der Regel die Mieter verantwortlich – ein völlig falscher Ansatz, der häufig zu technischen Gebrechen führt. Das könnte vermieden werden, indem der Filtertausch von der Hausverwaltung organisiert wird.“ Abgesehen davon brauche es eine bessere Vorbereitung der Bewohner, sagt Karin Stieldorf, Professorin für Architektur an der TU Wien und Vorsitzende des Nachhaltigkeitsbeirats. So muss das Bewusstsein für nachhaltiges Wohnen geschärft werden, indem man die Bevölkerung aufklärt. Allerdings – da sind sich die Experten einig – darf vor lauter Technik die Lebensqualität nicht negativ beeinträchtigt werden.

Rückbesinnung auf Low-Tech

Um energieeffizient und gleichzeitig komfortabel zu wohnen, lohne auch die Rückbesinnung zu Low-Tech-Ausführungen. Leitl: „Es gibt nicht nur einen Weg für intelligentes Bauen. Dabei sollte man natürliche Ressourcen und Material nicht vernachlässigen und ihren naturgegebenen Eigenschaften wieder stärkere Beachtung schenken. Den optimalen, allumfassenden Baustoff gibt es nicht. Aber bei optimalen Einsatz der verschiedenen Bauprodukte und Technologien können unter Einbeziehung der Bewohner definitiv Kosten und Energie gespart werden und nachhaltige Werte geschaffen.“


AutorIn: (23.04.2015), ursprüngl. (02.12.1014)


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