Der Immobilienmarkt im demographischen Wandel

Trotz der Überalterung der Gesellschaft verspricht die Zukunft einen steigenden Bedarf an Immobilien. Im deutschsprachigen Raum werden vor allem Single-Wohnungen und sanierte Altbau-Wohnungen gefragt sein, analysiert Joahnnes Meran von conwert.

Jüngsten Prognosen zufolge wird die Bevölkerung in Österreich auch in Zukunft wachsen. In Deutschland hingegen wird die Einwohnerzahl bereits in weniger als zehn Jahren unter die 80 Millionen Grenze fallen. Trotz dieses Gegensatzes zeichnen sich in der Entwicklung des deutschsprachigen Immobilienmarktes gemeinsame Trends ab, deren Auswirkungen bereits heute sichtbar sind.

Größerer Bedarf durch Singles

Die Verschiebung der Altersstruktur stellt einen wesentlichen Faktor dar. 2050 werden knapp 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung 65 Jahre und älter sein. In Deutschland werden es sogar rund 37 Prozent sein. Gemäß dem sogenannten Remanenz-Effekt verbleiben die Senioren nach dem Auszug der Kinder tendenziell in der bisher genutzten Immobilie anstatt auf kleineren Wohnraum auszuweichen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Ein- und Zweipersonenhaushalten: Singles, kinderlose Paare sowie alleinerziehende Eltern machen bereits heute rund drei Viertel der rund 40 Millionen deutschen Haushalten aus – Tendenz steigend.

Als Folge dieser beiden Entwicklungen ist ein erhöhter Wohnraumbedarf zu verzeichnen – auch in Deutschland, wo trotz der schrumpfenden Gesamtbevölkerung die Nachfrage nach Immobilien bis 2025 zwischen 7% und 12% wachsen wird. Im Fokus stehen insbesondere Städte, die eine nahtlose Verbindung der Lebenswelten Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit bieten.

Steigende Nachfrage in Ballungsräumen

Nicht zuletzt aufgrund des relativ hohen Einkommens- und Vermögensniveaus in den strukturstarken Ballungsräumen birgt die demografische Entwicklung und die veränderten Bedürfnisstrukturen neue Chancen, die es zu nutzen gilt. Vor allem Immobilienunternehmen, mit hochwertigen Wohnimmobilien und entsprechender Kompetenz in den von dieser Dynamik besonders betroffenen Ballungsräumen wie beispielsweise Wien, Berlin, Potsdam sowie Leipzig oder Dresden, werden von der steigenden Nachfrage profitieren können.

In Deutschland untermauert vor allem Berlin seine Stellung als wichtigster und fungibelster lokaler Transaktionsmarkt für Wohnimmobilien in Europa. Mit rund 2,3 Milliarden € und über 32.300 gehandelten Wohneinheiten entfielen im Jahr 2011 rund 37 % des registrierten Immobilieninvestments in Deutschland und 37 % aller Wohneinheiten auf die Bundeshauptstadt.

Neben Neubauten kommt vor allem auch der gezielten Weiterentwicklung bestehender Immobilien eine besondere Rolle zu, da ein Großteil des innerstädtischen Wohnraums in diesen Märkten aus den fünfziger und sechziger Jahren stammt. Durch Sanierung und Dachgeschoßausbauten kann neuer Wohnraum geschaffen und damit ein wesentlicher Beitrag für eine nachhaltige und auf Wohnqualität ausgerichtete Stadtentwicklung geleistet werden.

Demographischer Wandel birgt großes Potential

Auch der Wiener Immobilienmarkt zeichnet sich durch eine hohe Nachfragedynamik aus. Diese ist bedingt durch das Zusammenspiel dreier Faktoren: einer wachsende Einwohnerzahl, einer steigenden Nachfrage nach Single-Haushalten und einer niedrigen Neubautätigkeit, die weit unter dem Wohnungsbedarf der letzten Jahre lag. Als Folge waren zuletzt Preissteigerungen von bis zu 20 % für begehrte Objekte in guten Lagen zu verzeichnen. Vor allem die Nachfrage nach dem klassischen Gründerzeit-Zinshaus ist ungebrochen hoch.

Es wird somit vor allem entscheidend sein, die gesellschaftlichen Trends rechtzeitig zu erkennen und auf die veränderte Situation flexibel mit adäquaten Angeboten zu reagieren. Dann birgt der demografische Wandel für den deutschsprachigen Immobilienmarkt ein großes Potenzial, das es bereits heute zu nutzen gilt.


Autor:

Datum: 23.04.2012

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Köpfe und Meinungen

Der deutsche Wärmepumpen-, Heiz- und Kühlspezialist Novelan nimmt verstärkt den österreichischen Markt ins Visier. Für den angestrebten Wachstumskurs hat man mit Manfred Ceplecha einen branchenerprobten Vertriebsexperten ins Boot geholt.

Das Verkaufs-Support-Center des niederösterreichischen Fertighausherstellers Vario-Haus wird ab sofort von Markus Döller, der seit 2002 im Unternehmen beschäftigt ist, geleitet. Wie das Unternehmen meldet, wird er mit seinem Team für die Unterstützung aller Bauberater in Planungs-, Kalkulations- und Verkaufsfragen sowie für die Betreuung der integrierten CAD-Software verantwortlich zeichnen.

Der Wechsel an der Spitze des Architekturzentrums Wien ist erfolgt: Mit 1. Jänner hat Angelika Fitz (Bildmitte) offiziell das Zepter von Gründungsdirektor Dietmar Steiner übernommen. Diese Woche (25. Jänner) stellte sie – flankiert von Präsident Hannes Swoboda und Geschäftsführerin Karin Lux, die gemeinsam durchwegs positiv auf das Jahr 2016 zurückblickten – die Leitlinien ihrer Direktion und erste programmatische Schwerpunkte vor.

Mit Markus Brandstätter steigt der Geschäftsführer der Rustler Immobilienentwicklung GmbH in den Partnerring der Rustler Gruppe ein. Damit sind ab sofort sechs Personen im Führungsteam.

Neues Jahr, neuer Kopf: Andreas Hirsch (links im Bild) hat mit Jänner beim Sanitärausstatter Artweger angeheuert. Er folgt damit Bruno Diesenreiter als Geschäftsführer nach, der mit Anfang Mai in den Ruhestand gehen wird.

Ob Waschmaschine, Kaffeeautomat, Heizung oder Babyphone: Geht es nach den Technologiedienstleistern werden im smarter werdenden Haushalt Handgriffe zunehmend überflüssig. Doch was erwarten sich die Konsumenten für die eigenen vier Wände – und darüber hinaus. Welche funktionalen Features sollen künftig den Alltag erleichtern? Und wo wird auf den programmierten Helfer lieber doch verzichtet? wohnnet Business hat gemeinsam mit der smarten ABB-Technologietochter Busch-Jaeger in der Facebook-Community nachgefragt. Die Ergebnisse zeichnen folgendes Bild.

Die Generalversammlung des zur Salzburger Wohnbau-Gruppe zählenden Bausparerheims hat Christian Salmhofer in den Aufsichtsrat gewählt. Der Architekt betreibt in Hallein ein Büro mit Fokus auf Wohn- und Gewerbebau sowie Raumplanung.