Von der Verkomplizierung des Facility Managements

Gastkommentar von Martin Voigt, Head von Immobilien Consulting bei Porreal, über Experten, die vielleicht gar keine sind, unnötiges Fachvokabular und darüber, welche Kriterien die wahren Fachmänner ausmachen.

Ist es Ihnen nicht auch schon einmal so ergangen: Sie lauschen einem Fachvortrag, verstehen aber (fast) kein Wort? Ist es die Anzahl der Fachvokabeln je Minute, die Verwendung möglichst komplizierter Anglizismen oder die Nennung von Fachliteratur und weiteren Fachleuten, von denen Sie noch nie etwas gehört haben?


Tritt man einmal einen Schritt zurück, so könnte es aber auch sein, dass der Experte gar kein wirklicher Experte ist und gerade deshalb versucht mit auswendig gelerntem Fachvokablular Kompetenz zu demonstrieren. Sie werden dann unfreiwillig nur zum Claqueur. Wer nicht zustimmend nickt und klatscht, könnte sich leicht als unwissend outen – und wer will das schon?


Eine derartige Bewegung schwappt seit einiger Zeit in den Facility Management Markt und hat inzwischen auch Österreich erreicht. So kommt es auch schon vor, dass man nach der Eröffnung des Gebäudes feststellt, dass die Entsorgungsfahrzeuge des Abfallentsorgers nicht in den Ladehof in der Tiefgarage fahren können. Konstruierte Beispiele? Keineswegs – alles Dinge, die in den letzten Jahren am heimischen Markt passiert sind und ärgerlich – und zumeist auch extrem teuer -, wenn es gerade Sie als Bauherr getroffen hat.


Seltsam, dass Projekte für viele Millionen gebaut werden und bei so wichtigen und kostentreibenden Punkten – wenn der Lebenszyklusgedanke, wie dem späteren Betrieb, miteingeschlossen werden - auf Personenkreise setzen, die noch nie ein Gebäude selbst betrieben haben und Probleme des täglichen Gebäudebetriebes nur vom Hörensagen oder aus der Literatur kennen. Dafür können Prozesse bunt in Powerpoint und mit zahllosen Fremdwörtern präsentiert werden, dessen Inhalt echten Praktikern längst in Fleisch und Blut übergegangen sind.


Leidtragende sind aber dann nicht selten die späteren Mieter, die mit den Konsequenzen in Form von signifikant höheren Betriebskosten leben müssen. Der Facility Management Berater hat nämlich sicher eins auf Lager: Eine gute Ausrede, warum es logistisch sinnvoll ist, wenn das Müllfahrzeug schon nicht in die Garage kann, den Müll in kleinen Behältern mit Spezialfahrzeugen zum Fahrzeug zu bringen. Die damit verbundenen und eigentlich unnötigen Personalkosten mal außer Acht gelassen.


Dabei könnte es so einfach sein: Lassen Sie sich von ihrem FM Berater einmal den Lebenslauf oder das Beraterprofil zeigen. Wer glaubt mit - sicher guten und umfassenden – schulischen oder universitären Ausbildungsgängen oder gar als Quereinsteiger eine langjährige Praxiserfahrung ersetzen zu können, ist sicher auf dem Holzweg.


Verständliche Konzepte, kurze Analysezeiten, langjährige Praxiserfahrung und eine immerwährende Feedbackschleife zu bestehenden Betriebsführungen - daran erkennen Sie Facility Management Berater, die Ihnen und ihren Mietern wirklich weiterhelfen können.


Hören wir auf damit Dinge komplizierter zu machen als Sie tatsächlich sind. Planungsberatungen, Technischer Gebäudebetrieb, Sicherheitskonzeptionen, Logistikkonzepte etc. sind kein Hexenwerk – in der Qualität aber von einem wesentlichen Faktor abhängig: Praxiserfahrung. Prozesslandkarten sind gut wenn man Sie hat – ohne die vorgenannte Erfahrung aber meist das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt sind.


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Datum: 10.12.2013

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