Weniger Baubewilligungen 2012 erwartet

Im österreichischen Wohnbau ist ein starkes Ost-West-Gefälle zu beobachten. Gemessen an der Bevölkerungszahl wurden in Tirol und Vorarlberg die meisten neuen Wohnungen bewilligt. Grund ist ein Anstieg der Einpersonenhaushalte.

Obwohl die Bevölkerung im Osten des Landes dynamischer wächst als im Westen, lag die Wohnbaurate, das sind die Baubewilligungen in neuen Wohngebäuden pro 1.000 Einwohner, der westlichen Bundesländer deutlich über dem österreichischen Durchschnitt. Zwischen 2005 und 2010 wurden im Schnitt pro Jahr etwa 5,2 Einheiten pro 1000 Einwohner bewilligt, österreichweit waren es nur rund 4,5 Einheiten. Zwar ist in Tirol und Vorarlberg die Wohnbaurate tendenziell rückläufig, aber im Durchschnitt weiterhin sehr hoch (5,5 bis sechs Einheiten pro 1.000 Einwohner). Der Anstieg von Einpersonenhaushalten ist sicher mit ausschlaggebend. Auch in Oberösterreich und Salzburg stärkten die gute Arbeitsmarktentwicklung und die vergleichsweise gute Einkommenssituation die Nachfrage nach neuen Wohnbauten. Desgleichen ist hier eine leichte Verlagerung der Haushaltsstruktur zu den Einpersonenhaushalten zu beobachten.

Die schwache wirtschaftliche und demographische Entwicklung der südlichen Bundesländer Kärnten und Steiermark trug zu einer niedrigeren Wohnbaurate bei (Durchschnitt 2005/2010 rund vier Einheiten pro Jahr und 1000 Einwohner). 2010 war ein bemerkenswerter Anstieg auf 4,7 Baubewilligungen pro 1000 Einwohner zu verzeichnen, der vor allem auf die dynamische Entwicklung in Kärnten zurückging.

Wien hat niedrigste Wohnbaurate

In Ostösterreich ist die Wohnbaurate nur im Burgenland relativ hoch (2005/2010: 5,2 Einheiten), in Niederösterreich und Wien dagegen unterdurchschnittlich (in Wien bereits seit 1990). 2010 betrug sie in Niederösterreich 4,3 Baubewilligungen pro 1000 Einwohner und war in Wien mit 3,1 Einheiten am niedrigsten unter den Bundesländern.

Die starke demographische Entwicklung in Wien – hier wächst die Bevölkerung deutlich dynamischer als im Süden und Westen - und auch die gute Einkommensposition in Niederösterreich und Wien deuten auf eine stärkere Nachfrage nach neuen Wohnbauten hin, prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo.

Die Ausweitung der Baubewilligungen um drei Prozent auf 39.300 im Jahr 2011 spiegelt laut Wifo auch das beschleunigte gesamtwirtschaftliche Wachstum 2011 wider. Gemessen an der Bevölkerung entspricht dies 4,6 Einheiten pro 1000 Einwohner, die Wohnbaurate liegt somit weiterhin über dem europäischen Durchschnitt der 19 europäischen Länder, die dem Euroconstruct-Netzwerk angehören (siehe Grafik).

Rückgang 2012

Bereits 2012 erwarten die Wirtschaftsforscher einen leichte Rückgang um zwei Prozent. Insgesamt dürften 2012 rund 38.600 Baubewilligungen erteilt werden. Der Rückgang resultiert vor allem aus dem Mehrgeschoßbau (geplante Kürzungen der Wohnbauförderung) und aus der deutlichen Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Dynamik im Jahr 2012.

Der jährliche Bedarf an neugebauten Wohnungen wird Österreichweit auf rund 50 bis 55.000 Wohnungen geschätzt.

Wifo © Wifo

Demographische und wirtschaftliche Bestimmungsfaktoren der Wohnbaurate.

Wifo © Wifo

Entwicklung der Baubewilligungen in Österreich und 19 europäischen Ländern.


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Datum: 10.04.2012

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