Plusenergie-Häuser: klimafreundliche Energielieferanten

Ob Wohnhaus oder Bürogebäude, die Errichtung der kleinen Kraftwerke erfordert sorgfältige Planung. Vor allem die langfristige Speicherung von Wärme ist ein ungelöstes Problem, so die Expertenmeinung.

Bis 2020 soll das Nearly-Zero-Energy-Building Standard sein und damit einen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstoßes leisten. Doch moderne Baukonzepte sehen bereits Häuser vor, die sogar einen Energieüberschuss produzieren: sogenannte Plusenergiegebäude. Ob Wohnhausanlage, Einfamilienhaus oder Bürogebäude, die Gesamtbilanz eines Plusenergiegebäudes – gerechnet über einen festgelegten Zeitraum, wie zum Beispiel ein Jahr oder ein Monat – muss in jedem Fall positiv sein.

Das Konzept des Plusenergie-Gebäudes beruht darauf, möglichst hohe Energieeffizienz zu erreichen und den verbleibenden geringen Energiebedarf mit erneuerbaren Quellen zu decken. So wird meist zur Reduzierung des Nutz- und Endenergiebedarfs das Gebäude so gebaut, dass ein möglichst geringer Heizwärmebedarf durch effiziente Dämmung erreicht wird. Dafür eignet sich etwa die Passivhausbauweise. Armin Knotzer, Projektleiter für nachhaltige Gebäude im AEE INTEC - Institut für Nachhaltige Technologien, erklärt: „Das Wichtigste an der Realisierung eines Plusenergiegebäudes ist die Reduzierung des Energieverbrauchs auf ein Minimum. Vor allem der Stromverbrauch ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Hier gilt es, durch bauliche Maßnahmen entgegen zu wirken und Energie etwa mit Hilfe von Photovoltaikanlagen zu gewinnen.“ Klaus Krec, Universitätsprofessor des Instituts für Architektur und Entwerfen an der Technischen Universität Wien und Mitglied der Arbeitsgruppe für nachhaltiges Bauen, ergänzt, dass nach derzeitigem Stand der Technik eine Lüftungsanlage unumgänglich ist, um genug Energie zu sparen und letztlich Plusenergie zu gewinnen.

Die benötigte Energie wird also mittels Photovoltaikanlagen, aber auch Solarthermen oder Biomasseanlagen gewonnen. Auch Windkraftanlagen oder Kleinwasserkraftwerke können dem Zweck dienen. Die verschiedenen Technikanlagen sind kombinierbar und müssen an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst, installiert werden. Eines haben aber alle Plusenergiegebäude gemeinsam: Die Planung muss neu gedacht werden. So ist bereits im Vorfeld eine umfassende Berechnung und Simulation notwendig und der tatsächliche Energieverbrauch aller Energieträger muss schon vor Baubeginn realistisch eingeschätzt werden. Knotzer: „Man muss auf jeden Fall bei der Planung beachten, dass die Energiespeicher derzeit noch viel Platz benötigen. Die technische Entwicklung geht aber in Richtung Integration der Speicher in Dach und Fassade.“ Auch für den TU-Professor ist die Speicherung der erzeugten Energie die größte Herausforderung beim Bau von Plusenergiegebäuden. Krec: „Die Problematik der Langzeitspeicherung von Wärme ist ungelöst.“

Städtebauliche Stolpersteine

Aber nicht nur die technischen Aspekte müssen beim Bau von Plusenergiegebäuden bedacht werden. So sind Photovoltaikflächen oder Windräder oft schwer zu realisieren, wie etwa das Beispiel Boutiquehotel Stadthalle zeigt. In Mitten der Stadt wurden an dem Hotel in Wien Photovoltaik- und Solarwärmeanlagen installiert und mittels Windrädern am Dach hätte das Hotel den Plusenergie-Status erreichen können. Doch die Bewilligung zur Errichtung der Windräder wurde nicht erteilt. Michaela Reitterer, Eigentümerin und Geschäftsführerin der HS Hotelbetriebs GmbH - Boutiquehotel Stadthalle: „Ökologisches Bauen empfinde ich als Selbstverständlichkeit. Leider scheiterten die Windräder an den Einsprüchen der Anrainer. Das Ziel Plusenergiegebäude werden wir nicht erreichen.“

Das Boutiquehotel Stadthalle ist trotzdem ein Vorzeigeprojekt des Förderprogramms "Mustersanierung" des Klima- und Energiefonds, erzielt das Gebäude immerhin eine Null-Energie-Bilanz. Weitere Vorzeigeprojekte, die aber den Plusenergie-Standard erreicht haben, sind unter anderen die Hauptschule der Gemeinde Doren in Vorarlberg und ein Bürogebäude in Graz, das durch die Bauland Immobilienhandels & Verwaltungs GmbH saniert wurde, sowie das Gästehaus Maier in Mautern in der Steiermark, dessen Gemäuer aus dem 17. Jahrhundert zum Plusenergiegebäude saniert wurden.

TU Berlin © TU Berlin

Vorzeigeprojekt am Berliner Hauptbahnhof: Mini-Blockheizkraftwerke, Brennstoffzellen, Wärmepumpentechnologien, Photovoltaik in der Fassade und ein intelligenter Stromzähler produzieren in dem Gebäude Plusenergie.


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Datum: 04.02.2013

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