ÖGNI: Mietverträge werden nachhaltig

2013 steht für die ÖGNI im Zeichen inhaltlicher Konkretisierungen und der (internationalen) Vernetzung. Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ÖGNI geht mit gutem Beispiel voran.

Normalerweise konzentriert sich die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) auf die Zertifizierung und Auszeichnung von Leuchtturmprojekten und Unternehmen im Sinne der ethischen Unternehmensführung. Nun strebt die ÖGNI selbst mit dem staatlichen Gütezeichen berufundfamilie eine Zertifizierung an. ÖGNI Gründungspräsident Philipp Kaufmann ging schon selbst mit gutem Beispiel voran: Zwei Monate lang übernahm er im Rahmen der Väterkarenz die Betreuung seines Sohnes.

"Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie", so ÖGNI-Vorstand Martina Maly (Michaela & Partner). ÖGNI hat für die Geschäftsstelle mehrjährige Maßnahmen erarbeitet, welche die Grundsätze im eigenen Bereich umsetzen. Die vielen positiven betriebswirtschaftlichen Effekte machen das Audit berufundfamilie zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für Betriebe", sagt Elisabeth Wenzl, Geschäftsführerin der Familie & Beruf Management GmbH. Laut einer von Wenzl zitierten Studie haben Betriebe, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, um 23 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehltage und eine um zehn Prozent geringere Fluktuation. Die Entwicklung der Maßnahmen bilden die Grundlage für die staatliche Auszeichnung des Wirtschafts- und Familienministeriums als familienfreundlicher Arbeitgeber.

Für das Jahr 2013 hat sich die ÖGNI praxisnahe Ziele gesetzt (Schwerpunkt-Themen siehe Kasten, links), denn "wir verstehen uns als Motor, der aktiv Themen anschiebt und die Umsetzung auch tatsächlich ermöglicht", so Kaufmann. Ein Instrument hierbei sind etwa Arbeitsgruppen. In ihnen erarbeiten ÖGNI Mitglieder aus der "Branche für die Branche" Positionspapiere und Empfehlungen, wie die Nachhaltigkeit umsetzbar ist.

Wie praxisorientiert diese Punkte sind, zeigt etwa das Thema "nachhaltiger Mietvertrag". Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, für Mietverträge Klauseln zu formulieren, die sowohl Vermieter als auch Mieter einen Anreiz für niedrige Bewirtschaftungskosten bzw. höhere Nutzer-Qualität geben. "In der Praxis gibt es ein hohes Interesse an green leases. Für solche nachhaltigen Mietverträge gibt es international zahlreiche Empfehlungen. Für Österreich fehlen diese und genau daran arbeitet unsere ÖGNI-Arbeitsgruppe intensiv. Mit ersten Ergebnissen rechnen wir im 1. Halbjahr 2013", führt Arbeitsgruppenleiter Stefan Artner (Dorda Brugger Jordis Rechtsanwälte) aus.

ÖGNI ist außerdem seit kurzem Mitglied der ACR (Austrian Cooperative Research), einer bedeutenden Plattform zur Vernetzung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen.

Weiters ist die ÖGNI auch international gut vernetzt: da sie österreichischer Vertreter des World Green Building Councils (WGBC) ist, trägt sie das von der heimischen Akteuren erarbeitete Wissen in die globale Immobilienwelt und umgekehrt.

Neben innovativen kleinen Unternehmen wie Isolena (stellt Dämmstoffe aus Schafswolle her) freut sich die ÖGNI über bedeutende Player aus dem Öffentlichen Bereich: Die Landesimmobilien-Gesellschaft Steiermark (LIG) ist nun ebenso ÖGNI-Mitglied wie die BIG Bundes Immobilien Gesellschaft und deren Tochter ARE (Austrian Real Estate GmbH).

"Wir haben oft erlebt, dass ein Unternehmen nachhaltig baut, aber nichts von CSR oder Nachhaltigkeitsberichten hören will – andere wiederum halten nichts von baubiologischen Baustoffen. Authentisch und stimmig wird es, wenn die einzelnen Aktivitäten sich zu einem Ganzen fügen", so ÖGNI Vizepräsident Karl Friedl (M.O.O.CON). Daher hat die ÖGNI das Acht-Punkte-Programm erschaffen:

  • Wir leben Werte (WerteManagement & Unternehmenskultur);
  • Wir verpflichten uns auf Compliance-Systeme;
  • Wir implementieren Corporate Governance-Standards;
  • Wir setzen CSR-Programme um;
  • Wir vereinen Beruf und Familie;
  • Wir arbeiten messbar (Bauen, Bewirtschaften, Investieren, ...);
  • Wir berichten über unser Handeln (Nachhaltigkeitsberichte);
  • Wir verwenden in den Berichten internationale Standards, (wie GRI).

Neben den neu hinzugekommenen Schwerpunkten für das Jahr 2013 bleiben die im 3P-Ansatz (Produkte, Prozesse und Personen) festgehaltenen Eckpfeiler natürlich ebenso wichtiger Teil der Arbeit der ÖGNI. "Bleibt die Geschwindigkeit der Veränderungen so hoch wie in den letzten drei Jahren, kann man sich jetzt schon auf das Ende 2013 freuen", fasst ÖGNI-Botschafter Georg Spiegelfeld zusammen.


AutorIn:

Datum: 07.01.2013

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Politik und Recht

Die Pläne der Regierung, die erst 2012 eingeführte Immobilienertragsteuer von 25 auf 30% bei gleichzeitigem Wegfall des Inflationsabschlages zu erhöhen, bereiten dem Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) Sorgen.

Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) kritisiert die Forderung der ÖVP, das gesetzliche Pensionsantrittsalter generell auf 67 Jahre zu erhöhen, unabhängig von der Berufsgruppe in den verschiedenen Branchen.

Laut Studie zum Thema "Leistbare Mieten - Leistbares Leben" sind die Wohnkosten in Österreich insgesamt nicht so hoch wie oft kolportiert. Die durchschnittlichen Kosten liegen hierzulande unter dem EU-Schnitt.

Ein neues Finanzierungsmodell, das die derzeit günstige Zinssituation nützt und Garantien des Bundes vorsieht, soll in den kommenden fünf Jahren 6,5 Mrd. Euro für die Wohnraumschaffung bringen.

Die lang erwartete Wohnrechtsnovelle wurde mit einer breiten Mehrheit im Parlament beschlossen und tritt mit 1.1.2015 in Kraft. Was dabei heraus gekommen ist, sei "ein trauriges Sittenbild der österreichischen Politik", sagen Kritiker.

Obwohl schon 2005 das Behindertengleichstellungsgesetz beschlossen wurde, stehen Menschen mit Behinderung noch immer vor Barrieren. Gründe für die schleppende Umsetzung des Gesetzes gibt es viele.

In der Diskussion rund um die Reform des Wohnrechts liefern sich Konsumentenschützer und Vertreter von privaten Vermietern einen Schlagabtausch. Die Immobilienwirtschaft wehrt sich gegen das "Feindbild privater Vermieter".

Die Wohnbauförderung ist sehr wichtig, als Wirtschaftsmotor wie als Garant für leistbares Wohnen. BAU!MASSIV! fordert jetzt eine Gesamtstrategie der Regierung, um der Wohnungsnot und steigenden Kosten entgegenzuwirken.

Der Pfusch mit Baudienstleistungen steigt nach vorläufigen Zahlen um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der im Sommer eingeführte Handwerkerbonus hat also nichts gebracht, vielmehr sei er ein "Tropfen auf dem heißen Stein".