Wird das Musterhaus obsolet?

Die Digitalisierung verändert auch den Fertighausmarkt. Der Weg zum eigenen Fertighaus führt den Großteil der KundInnen über den Musterhauspark. Wir haben Branchenindsider gefragt, ob durch Virtual Realtiy und 3D-Konfigurator das Musterhaus bald nicht mehr gebraucht wird.

„Auch wenn wir unsere Umgebung hauptsächlich durch unsere Augen wahrnehmen, an einen Ersatz des Musterhauses glaube ich definitiv nicht.“ WasYves Suter von Hartl Haus so eindeutig formuliert, sehen die anderen von uns interviewten Fertighausunternehmer mehr oder minder gleich. Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden den Besuch im Musterhauspark und den Gang durch das Musterhaus künftig nicht ablösen. So ist auch Daniel Gruber von VARIO-HAUS ist von der gesicherten Zukunft des Musterhauses überzeugt: „Die digitalen Rundgänge sollen eine Ergänzung zum Musterhaus darstellen. Besonders bei der Grundrissplanung, die viele Bauherren in Ruhe Zuhause überlegen, ist ein digitaler Helfer wie der Online-Planer ein wertvolles Instrument. Das Haus mit allen Sinnen erleben und die Beratungskompetenz des Bauberaters verspüren kann man aber weiterhin nur persönlich in einem Musterhaus!“ Die Importanz der Sinneswahrnehmung macht den Menschen aus, darin sind sich die befragten Fertighausunternehmen alle einig. „Wir glauben nicht, dass virtuelle Rundgänge den Weg in einen Musterhauspark ablösen werden. Die Besucher möchten das Haus riechen, hören, angreifen, eben erleben“, beschreibt Martin Genböck das Bedürfnis der Kunden, aus der Haussuche ein Wohlfühlerlebnis zu machen. Georg Niedersüß, Geschäftsführer von Griffner Haus, schlägt in die gleiche Kerbe: „Digitale Rundgänge werden den Gang ins Musterhaus nie ablösen, weil Optik, Haptik und Geruch wesentliche Elemente der Wahrnehmung sind. Sehr wohl werden aber kleinere Änderungen digital ‚überprüft‘ werden.“ Einen weiteren Aspekt bringt Josef Zügner aufs Tapet: „Wichtig in dem Zusammenhang sind nach wie vor die Berater, die dem Kunden, vorausgesetzt er ist ihnen sympathisch, auch ein gutes Gefühl zum Produkt und somit auch zum Hersteller geben können.“

Haus selbst konfigurieren? Mit Grenzen!

Beim Thema Hauskonfigurator sind die Fertighausunternehmen zum Teil noch vorsichtig. Zu viele unsichere Variablen spielen hier mit hinein, und können aus einem Traumhaus schnell einen Alptraum werden lassen. Dementsprechend scheiden sich auch die Geister bei der Frage, ob es denn Sinn macht, den Kunden sein eigenes Haus daheim am PC zusammenstellen zu lassen. Für Yves Suter von Hartl Haus erfordert eine Hausplanung viel Erfahrung und mehr als nur einen Experten. „Wer darauf verzichtet, hat bestenfalls ein unnötig teures etwas verplantes Haus, schlimmstenfalls aber eine Bauruine.“ Er sieht für die Zukunft vor allem „bessere Schnittstellen zum Kunden, der seine Planung immer früher und immer realistischer (Stichwort VR/AR) begutachten und sogar individualisieren kann, inklusive ausmessen, möblieren, Farben und Böden aussuchen.“

Sergey Nivens/Shutterstock.com © Sergey Nivens/Shutterstock.com

VARIO-HAUS bietet bereits einen Online-Hausplaner an. „Wir geben den Bauherrn mit diesem Tool ein technisches Hilfsmittel an die Hand, mit dem sie genau dieses kinderleicht in 3D realisieren können. Aber: Die persönliche Beratung kann das nicht ersetzen, denn die Erfahrung unserer Bauberater kann nicht so leicht in einer Software abgebildet werden!“

Die Geschäftsführer von Haas Haus und Griffner Haus bringen die Diskrepanz zwischen Wunschvorstellung des Kunden und Realität ins Spiel. Zügner: „Auch wenn sich der Kunde mit dem Thema stark beschäftigen will und so auch entsprechend seine Vorstellungen verwirklichen kann, besteht doch eine erhebliche Kluft zwischen Wunschtraum und technischer, aber auch wirtschaftlicher Realität. Der Kunde baut sich in seiner Vorstellung ein Schloss, jedoch scheitert es sehr oft an den finanziellen Möglichkeiten, was wiederum dann dem Kunden ein verheerendes Gefühl vor dem Berater bescheren kann.“ Laut Georg Niedersüß ist ein Hauskonfigurator bei Griffner zwar geplant, die größte Herausforderung sieht aber auch er darin, dass „der Kunde nur umsetzbare Lösungen planen darf, sprich der Konfigurator so clever sein muss, nur realisierbare Entwürfe zuzulassen.“

Bei Genböck spielt das selber konfigurieren von Fertighäusern eine untergeordnete Rolle. Martin Genböck sieht den Grund dafür vor allem darin, dass „wir fast immer völlig individuelle Häuser planen, die auch eine sehr individuelle Einrichtung verlangen, das heißt bei uns kommt man mit einem einfachen Hauskonfigurator ohne spezielle Planungskenntnisse nicht sehr weit.“ Der Kompromiss: Die Basisplanung wird gemeinsam mit den Kunden direkt am Computer durchgegangen und Änderungswünsche gemeinsam vorgenommen. Auch Haas Haus-Geschäftsführer Josef Zügner sieht den Berater in einer wichtigen Rolle: „Es ist seine Aufgabe, durch seine Erfahrung und die Abschätzung der Möglichkeiten, gemeinsam mit dem Kunden ein passendes Eigenheim zu entwerfen.“


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Datum: 08.01.2018

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