Studie: Wohnen in Österreich leistbar

Laut Studie der Volksökonomin Agnes Streissler-Führer zum Thema "Leistbare Mieten - Leistbares Leben" sind die Wohnkosten in Österreich insgesamt nicht so hoch wie oft kolportiert. Die durchschnittlichen Kosten liegen hierzulande unter dem EU-Schnitt.

So wurde in der vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) beauftragten Untersuchung erhoben, wie sich die Wohnkosten im Verhältnis zu Lebensqualität und Einkommensverhältnissen entwickelt haben. Dabei hinterfragt Streissler-Führer zunächst den Begriff "leistbar", denn eine eindeutige wissenschaftliche Definition gibt es dazu nicht. Nach EU-SILC Definition etwa, wird von einer Überbelastung gesprochen, wenn mehr als 40% des verfügbaren Haushaltseinkommens fürs Wohnen aufgewendet werden muss. Die Statistik Austria hingegen sieht die Grenze bei 25% des verfügbaren Haushaltseinkommens - "leistbar" ist also relativ.

Wohnkosten unter EU-Schnitt

In Österreich werden jedenfalls durchschnittlich 22% der Haushaltsausgaben für Wohnkosten (Miete und Eigentum) aufgewendet. Ein EU-weiter Vergleich zeigt, dass die Wohnkosten damit hierzulande sowohl unter dem EU-28 als auch dem EU-15 Schnitt (jeweils 24%) liegen. Auch beschränkt auf die Kosten für Mietwohnungen liegt Österreich laut Studie unter dem EU-15 Schnitt. Die Ausgaben für Miete sind nur in Schweden niedriger. Auffallend sei, dass in Österreich die Wohnkosten für Alleinerziehende höher sind, während Single-Senioren-Haushalte vergleichsweise niedrige Wohnkosten haben."Die Frage nach dem leistbarem Wohnen ist berechtigt, allerdings muss man hier nach Einkommensschicht differenzieren", erklärt Streissler-Führer. Die Studie „Leistbares Mieten – Leistbares Leben“ beurteilt das Leben in Österreich zusammenfassend als "insgesamt sehr leistbar".

Qualität stark gestiegen

Es sei auch nicht zu vergessen, dass die Ansprüche der Bewohner an ihr Heim in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. So seien die Wohneinheiten pro Kopf größer geworden und die Ausstattungskategorie A sei mittleweile quasi Standard, "was natürlich Preissteigerungen mit sich zieht", sagt die Studienautorin: "Der Arbeitsaufwand des österreichischen Industriearbeiters für eine 70m² Kategorie A Wohnung hat sich aber von 1986 bis 2013 um etwa zwei Stunden erhöht. Analysiert man die Entwicklung der Ausstattungsmerkmale der Wohnungen über den gleichen Zeitraum, waren 1986 erst 40% der Kategorie A zuzuordnen, 2013 aber bereits 92%."

Simon Rainsborough © Simon Rainsborough

ÖVI Präsident Georg Flödl befürchtet eine "kalte Progression für Immobilien".

ÖVI: Sozialer Wohnbau braucht Reformen

Trotzdem: Vor allem im sozialen Wohnbau sieht ÖVI Präsident Georg Flödl dringenden Handlungsbedarf: "Die Unterschiede der Ergebnisse nach Einkommensschichten zeigen, dass es mehr Treffsicherheit im sozialen Wohnbau braucht." Für Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 60% des medianen Äquivalenzeinkommens, ist der Anteil der Wohnkosten in Österreich am verfügbaren Einkommen mit mehr als 40% deutlich über dem Durchschnitt. "Hier wirft sich die Frage auf, wieso dieser Wert trotz eines 60%igen Anteils an sozialem Wohnbau in Österreich überhaupt möglich ist. Die Studie zeigt, dass 51% der Mieter auf dem privaten Markt der Gruppe mit niedrigen Einkommen angehört, während 47% der Mieter aus der Gruppe des oberen Einkommens (>180% des Medianeinkommens) in einer Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung leben. Diese Faktenlage macht die mangelnde Treffsicherheit und Reformbedürftigkeit des österreichischen sozialen Wohnbaus wohl mehr als deutlich evident", sagt Flödl.


AutorIn:

Datum: 28.01.2015

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Politik und Recht

Die Ö-Norm B1300 „Objektsicherheitsprüfungen für Wohngebäude“ aus dem Jahre 2012 definiert bauliche Voraussetzungen, die mehr Sicherheit in Mietshäusern gewährleisten soll. 2014 wurde das Bauwerksbuch eingeführt. Mit dem Ziel, die Verpflichtung zur Instandhaltung (noch) bewusster und darüber hinaus für die Behörde kontrollierbar zu machen: Beides sorgt noch immer für Verwirrung. Aufklärungsarbeit will jetzt die Archinoa ZT GmbH leisten. Deren Mastermind, Johann Kaiser, lädt am 18. Mai mit einer illustren Rechtsexpertenrunde zum Vortrag "Der Weg aus der Haftung" ins Palais Coburg.

Der Grundlagen-Almanach aus der Feder des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA ist publiziert: Zusammengefasst werden in der kostenfreien Broschüre, die mittlerweile seit 1996 erscheint, allen immobilienrelevanten steuergesetzlichen Neuerungen. Erhältlich ist die Neuauflage auf Deutsch und Englisch.

Der Ruf nach dem Bestellerprinzip bei Maklern, in Deutschland seit 2015 in Kraft, wird auch hierzulande immer lauter. Zuletzt forderte Kanzleramtsminister Thomas Drozda eine Neuregelung nach dem Vorbild der Nachbarn. Der Fachverband der Immobilientreuhänder erteilt diesem Ansinnen weiter eine klare Absage und kontert mit einer Umfrage von marketagent.com. Demnach seien die heimischen Kunden mit den Maklerleistungen sehr zufrieden. Ihre Conclusio: Ein Systemwechsel würde Wohnen verteuern und gleichzeitig Arbeitsplätze in der Branche gefährden.

Laut Bundeskammer der Ziviltechniker droht den heimischen Klein- und Mittelbetrieben durch das kommende Bundesvergabegesetz Ungemach. Ihre Befürchtung: Die darin enthaltenen Änderungen würden das Bestbieterprinzip aushöhlen – auf Kosten der Qualität. Deshalb sei die Politik dringlichst in die Pflicht zu nehmen.

Mit mittlerweile schöner Regelmäßigkeit kündigt die Politik ein Ende des Reformstaus ab. Davon solle auch die Immobilienwirtschaft profitieren, wie es zuletzt nicht nur aus dem Bundeskanzleramt hieß. Auf ein Ende der Ankündigungspolitik hofft einmal mehr der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft, der bei der gestern abgehaltenen Kick-off-Pressekonferenz zum Jahr 2017 seinen Forderungskatalog präzisierte. Geschäftsführer Anton Holzapfel und Präsident Georg Flödl (Bild): Die Baustellen sonder Zahl müssten endlich angegangen werden.

Stippvisite des Bundesministers für Arbeit und Soziales bei Tondach Gleinstätten: Die Vorstände Gerhard Hanke und Franz Kolnerberger konnten vor Kurzem Alois Stöger begrüßen. Beide legten dabei ein klares Bekenntnis zu Mitarbeitern und Standorten ab, wie es in einer Aussendung des Unternehmens heißt. Die für 2017 angekündigte Markenkooperation mit Wienerberger solle zudem die Rolle als regionaler Arbeitgeber weiter stärken.

Die jüngsten Schiedssprüche des VfGH, die das Verbot von Lagezuschlägen auf Mietwohnungen in Gründerzeitvierteln, die unterschiedlichen Bundesländerrichtwerte sowie den pauschalen Befristungsabschlag wohl einzementieren dürften, schlagen weiter hohe Wellen. Während Vertreter der Arbeiterkammer, die Mietervereinigung und Teile der Politik die jüngsten Entscheidungen begrüßen, sehen sich der österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) und Rechtsexperte Christoph Kothbauer im Regen stehen gelassen. Auch Zinshausfachmann Gerhard Hudej spricht von einer „kritikwürdigen“ Entscheidung.

Die Wohnbauinitiative der Bundesregierung wird nun immer konkreter und nimmt letzte Formen an: So hat das Bundesministerium für Finanzen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft das beihilfenrechtliche Genehmigungsverfahren für die letzte Umsetzungsphase der neuen Wohnbauinvestitionsbank (WBIB), das Sonderkreditinstitut zur Förderung des heimischen Wohnbaus, in die Wege geleitet. Laut Finanzministerium dürfte die EU-Kommission in den kommenden Monaten grünes Licht geben.

Kommunalmesse 2016: WKO-Immo-Branchensprecher Georg Edlauer (im Bild) setzte sich beim letztwöchigen Gipfeltreffen für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der gewerblichen Immobilienwirtschaft und den Kommunen ein. Sein Tenor: Die Abwanderung stellt ländliche Regionen wie urbane Räume vor große infrastrukturelle Probleme, die gemeinsam besser bewältigt werden können.