Pestizide - Chemische Pflanzenschutzmittel

Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist für Mensch, Tier und Umwelt problematisch. Viel sinnvoller ist es, Nützlinge im eigenen Garten zu fördern und natürliche Mittel zur Schädlingsbekämpfung einzusetzen.

200.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jedes Jahr in der EU auf den Markt geworfen. 250 Herbizide sind in Österreich zugelassen, 218 davon gelten als umweltgefährlich. Auch jeder Private kann sich ganz leicht im Supermarkt mit Giften aller Art eindecken. "Das ist eine Verharmlosung, der Verbraucher vermutet im Lebensmittelhandel nichts giftige“, sagt Dominik Linhard, Projektkoordinator Alternativer Pflanzenschutz bei der Umweltorganisation Global 2000. Die Umweltschützer setzen sich bereits seit Jahren für einen Verkaufsstopp von Pestiziden für Privatanwender ein.

Die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Pestiziden auf den Menschen sind laut Linhard in zahlreichen Studien belegt und werden mit verschiedensten Krankheitsbildern in Verbindung gebracht: Hautirritationen, Reizung der Augen, Atemwegsbeschwerden, Übelkeit, Schwindel, Diabetes, Reproduktionsstörungen, Unfruchtbarkeit, Psychische Erkrankungen, Parkinson, verschiedene Arten von Krebs, u.v.m. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen. Gerade für neugierige Kinder stellen beispielsweise Ameisenmittel, welche das hochgiftige Fipronil enthalten, im Haushalt eine potentielle Gefahrenquelle dar.

Hormonell wirksame Pestizide

Hormonell wirksame Chemikalien werden auch "endokrine Disruptoren" (Endocrine Disrupting Chemicals – EDCs) genannt. Sie entfalten ihre gesundheitsgefährdente Wirkung bereits bei sehr niedrigen Dosen und können die Wirkung von körpereigenen Hormonen verändern oder auch blockieren. Das Hormonsystem steuert wichtige Körperfunktion, und hat wesentlichen Einfluss auf Fortpflanzung, körperliche Entwicklung, Verhalten und Gemütszustand. Wird das hormonelle Gleichgewicht gestört, können diverse Krankheitsbilder auftreten (z.B. Tumore in hormonabhängigen Geweben, Störungen des Stoffwechsels, Reproduktionsstörungen, Fruchtschädigung und neurologische Störungen. Als hormonell wirksam werden z.B. die Wirkstoffe Chlorpyrifos (z.B. Agritox®) und Thiacloprid (z.B. Lizetan®) eingestuft, welche beide in Insektensprays zu finden sind.Natürlich sind vor der hormonellen Wirkung auch Menschen nicht sicher.

Schädliche, hormonell wirksame Pestizide findet man auch im menschlichen Körper. Ihre Aufnahme erfolgt teilweise über die Haut und die Atemluft, der größte Teil wird aber über die Nahrung aufgenommen; insbesondere auch als Rückstände von hormonell wirksamen Pestiziden.

Chronische Krankheiten, die mit EDC's in Verbindung gebracht werden, sind in Europa im Vormarsch. Das gilt für Brust- und Prostatakrebs ebenso wie für Diabetes, Unfruchtbarkeit oder psychische Erkrankungen.

Negative Auswirkung auf die Artenvielfalt

"Zahlreiche toxikologische Studien belegen, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel negative Auswirkung auf die Artenvielfalt hat. Durch das 'Spritzen' werden nicht nur die zu bekämpfenden Schädlinge abgetötet, sondern auch Nützlinge und andere Nicht-Zielorganismen. Teilweise kommt es bei Nützlingen zu akuten Vergiftungen mit sofortigem Tod oder zu unbemerkten latenten Schädigungen, die erst verzögert zum Sterben der Tiere führen", erklärt Linhard. In vielen Fällen steigt auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten. Weniger Nützlinge im Garten bedeutet gleichzeitig wieder mehr Schädlinge und eine Störung des natürlichen Gleichgewichts. Dies führt dann zu erhöhtem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und somit zu höheren Kosten für den Gärtner.

Falsche Anwendung erhöht Gefahrenpotenzial

Viel sinnvoller ist es, Nützlinge im eigenen Garten zu fördern und natürliche Mittel zur Schädlingsbekämpfung einzusetzen. Fast alle Hersteller (Neudorff, Ja!Natürlich, etc.) bieten solche Produkte bereits an, die Gartencenter-Kette bellaflora hat sogar zum Beginn der Gartensaison 2013 in Kooperation mit Global 2000 ihr Sortiment nachhaltig umgestellt: Sämtliche chemisch-synthetischen Pestizide und Herbizide wurden aus den Regalen genommen und durch natürlich-biologische Produkte ersetzt. "Wir beobachten die wissenschaftliche Entwicklung und sind uns deshalb des Gefahrenpotentials, das von Pestiziden ausgeht bewusst", so Isabella Hollerer, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei bellaflora. "Bei chemischen Mitteln kommt es oft zu falschen Anwendungen. Auf die Fläche eines A4-Blattes gehört beispielsweise nur ein einziges Schneckenkorn. Aus Unwissenheit streuen aber manche eine ganze Handvoll."

Solche Molluskizide, die zur Bekämpfung von Schnecken eingesetzt werden (Schneckenkorn) haben eine schnelle und tödliche Wirkung auf Weichtiere. Allerdings wird oft übersehen, sagt Linhard, dass die Wirkstoffe Methiocarb und Methaldehyd auch für Vögel, Igel und andere Tiere giftig sind. Beispielsweise liegt die Sterblichkeit bei nützlichen Laufkäfern bei bis zu 100 Prozent. Auch vergiftete Hunde oder Katzen kommen immer wieder vor.

Weltweites Bienensterben

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Kleinste Mengen von Neonicotinoiden können Honigbienen nachhaltig schädigen.

Ein aktuelles Beispiel für Pestizide mit schrecklichen Auswirkungen auf einen unserer wichtigsten Nützlinge überhaupt sind für Linhard die Neonicotinoide. Dieses Insektizid steht erwiesenermaßen in direktem Zusammenhang mit dem großen Bienensterben der letzten Jahre. Studien zeigen, dass selbst kleinste Mengen von Neonicotinoiden die Honigbienen aber auch Hummeln nachhaltig schädigen können.
Trotzdem sind Neonicotinoide für Hobbygärtner weiter frei verkäuflich und werden nach wie vor in Insektensprays (z.B. Lizetan® von Bayer Crop Science) angeboten, so Linhard.

"Von Privatpersonen werden auch häufig Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide) verwendet. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Breitbandherbizide wie z.B. Roundup® der Firma Monsanto (Wirkstoff: Glyphosat). Diese Mittel töten aufgrund ihrer unspezifischen Wirkung generell alle Arten von Pflanzen ab", erklärt Linhard. Durch den Einsatz solcher Totalherbizide wird die pflanzliche Vielfalt erheblich eingeschränkt. "Roundup ist am gefährlichsten. Es wird so häufig eingesetzt, man findet es überall, in Gewässern, Nutztieren und Menschen".

Pestizide in Böden und Gewässern

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Mit Schneckenkorn werden nicht nur Schnecken vergiftet: Auch Hunde, Katzen und Vögel sind Opfer.

Die fortgesetzte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln führt zu einer Anreicherung verschiedenster Pestizidwirkstoffe und deren Abbauprodukten im Boden und in Gewässern. Glyphosathältige Herbizide oder Fungizide wie Captan® wirken unter anderem auch negativ auf Mikroorganismen im Boden und verändern somit das gesamte Bodengefüge und dessen Struktur. Bakterien- und Pilzgemeinschaften werden gestört, was sich wiederum kontraproduktiv auf den Erfolg des Gärtners auswirkt, welcher einen gesunden Boden als sein höchstes Gut ansehen sollte. Außerdem können durch den Einsatz von Glyphosat auch die nachfolgend angebauten Pflanzen geschädigt werden. Bei einem österreichischen Sondermessprogramm für Pestizide und deren Metaboliten im Rahmen der Gewässerzustandsüberwachung (GZÜV) im Jahr 2010 wurden an 92 von 201 Wassermessstellen (ca. 46 Prozent) Überschreitungen für zumindest einen Wirkstoff gemessen. An ca. 16 Prozent der Messstellen kam es sogar zu Mehrfachüberschreitungen in den Wasserproben.

Von Schwangeren fernhalten

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Auch Igel sterben, wenn sie Schneckenkorn fressen.

Aber wie sieht man nun auf der Packung des Pflanzenschutzmittels ob man eine Giftbombe kauft oder nicht? Misstrauisch werden sollte man laut Linhard wenn einer der folgenden Warnhinweise aufgedruckt ist: Gefährlich für Bienen, Vögel oder Wasserorganismen. Oder: von Schwangeren fern halten, etc.

Nachstehend einige Beispiele problematischer Pestizidwirkstoffe mit Zulassung im Haus- und Kleingartenbereich, deren toxikologische Eigenschaften und Handelsprodukte:

Umweltgefährlichkeit

Gefährdung für den Menschen

z.B. enthalten in:

Wirkstoff Imidacloprid
Insektizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, sehr giftig für Regenwürmer Kann zu chronischen Leberschäden, Missbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauferkrankungen und Allergien führen Bayer: Lizetan®
Zierpflanzenspray,
3 in 1 Schädlingsfrei
Wirkstoff Chlorpyrifos
Insektizid. Sehr giftig für Vögel, Bienen und Wasserorgansimen, giftig für Regenwürmer Nervengift führt zu neurologischen Störungen, endokrine Wirkung, begünstigt die Enstehung des ADHS-Syndroms Kwizda: Agritox®
Wirkstoff Fipronil
Insektizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, sehr giftig für Regenwürmer, sehr giftig für Wasserorganismen Nervengift, hohe akute Toxizität, steht im Verdacht Krebserregend zu sein Ceraflor: Ameisenköder, Ameisenmittel
Wirkstoff Methiocarb
Molluskizid. Bienengefährlich, schädlich für Nützlinge, giftig für Regenwürmer, sehr giftig für Wasserorganismen Kann zu chronischen Leberschäden, Mißbildungen, Sterilität, Krebs, Kreislauferkrankungen und Allergien führen Bayer: Mesurol®, Lizetan® Zierpflanzen -spray
Wirkstoff Glyphosat
Herbizid. giftig für Wasserorganismen, stört chemische und biologische Prozesse im Boden Starker Verdacht auf Erbgutschädigende, sowie kanzerogene Wirkung Ceraflor: Roundup® Alphee
COMPO: Vorox®
Kwizda: Quex® Total Combi
Bayer: Ustinex®
Florissa: Unkraut K.O


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Datum: 25.02.2013

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