Bauen mit Holz

Das Baumaterial Holz liegt im Trend. Neue technische Entwicklungen machen völlig neue Formen der Gestaltung möglich. Eine Ausstellung zeigt Beispiele nationaler und internationaler Holzbau-Projekte.

Holz hat als Baumaterial eine Bedeutung gewonnen, die noch vor einigen Jahren kaum für möglich gehalten wurde. Die wachsende Relevanz des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung hat auch im Bauwesen ein Umdenken hervorgerufen. Gleichzeitig haben technische Entwicklungen völlig neue Formen der Gestaltung von Holzbauten möglich gemacht.

Bauen mit Holz bedeutet einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sagt Universitätsprofessor Alfred Teischinger vom Institut für Holzforschung der BOKU Wien. "Der Wald ist ein entscheidender Klimafaktor und Lebensspender. Grundlage dafür sind eine nachhaltige Walderhaltung, -pflege und -vermehrung. Durch die verstärkte Verwendung von Holz beim Bauen wird in Siedlungsgebieten ein 'zweiter Wald' gepflanzt, der zur Klimaverbesserung beiträgt. Kein anderer Baustoff weist eine so umfassende Klimawirksamkeit auf wie Holz", so Dieter Kainz, Obmann von proHolz Austria.

Innovationsschub durch die EDV

Die Weiterentwicklung von Technologien hat in verschiedenen Bereichen des Holzbaus enorme Veränderungen hervorgerufen: Einen wesentlichen Innovationsschub bedeutet die EDV für den Holzbau, erklärt Hermann Kaufmann von der TU München. Einerseits lassen sich mit der EDV komplexe Formen entwickeln und berechnen, andererseits ermöglichen digital gesteuerte Maschinen in den Werkhallen auch, ungewöhnlich geformte Bauteile wirtschaftlich zu fertigen. Neue Rechenprogramme beeinflussen die Tektonik der Holzarchitektur, die sich zunehmend aus den klassischen Geraden und rechten Winkeln befreit. Beeindruckendes Beispiel ist etwa die Monte Rosa Hütte im schweizerischen Wallis (siehe Bildergalerie).

Verbesserungen beim Brand- und Lärmschutz

Auch hinsichtlich der Technologie konnten in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt werden: Beim Brand- und Lärmschutz wurden Verbesserungen bewirkt und innovative Fertigungsmethoden ermöglichen heute völlig neue Bauweisen, die anderen Baustoffen in energetischer und ökologischer Hinsicht häufig überlegen sind, so Kaufmann.

Holzbau: Viel Potenzial in Österreich

Der Anteil des Holzbaus am Bauvolumen steigt laut proHolz, der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft. Die Potentiale liegen vor allem in den Städten, im mehrgeschossigen Wohnbau, im Kommunalbau sowie im Industrie- und Gewerbebau. Der Anteil des Holzbaus ist in den Jahren 1998 – 2008 um 25 Prozent gestiegen, im Umfeld großer Städte konnten hohe Holzbauanteile von bis zu 45 Prozent bei Wohnbauvorhaben verzeichnet werden. In Wien beispielsweise wurde 2008 jedes vierte Wohnbauprojekt mit Hilfe einer Holzkonstruktion umgesetzt. Eines der derzeit größten Projekte in Wien (in Holzmischbauweise) ist das Sonnwendviertel beim neuen Hauptbahnhof, in dem 419 Wohnungen entstehen.

Schweiz: 2.000 Watt-Gesellschaft

Trotz dieser Steigerung ist in Österreich noch viel Potential vorhanden. Aus dem jährlichen Holzzuwachs in Österreich könnten 18 Millionen m3 Holzbauprodukte hergestellt werden. Würde man den gesamten Hochbau eines Jahres in Holz errichten, würde lediglich ein Drittel davon benötigt werden. Als Vorbild gilt die Schweiz, die seit dem Jahr 2000 mehr als 1.500 mehrgeschossige Wohnbauten aus Holz errichtet hat. Basis dafür sind das energiepolitische Programm und eine rechtliche Verankerung der "2.000 Watt-Gesellschaft" in der Gemeindeordnung der Stadt Zürich. In Österreich wären noch einige Veränderungen der Rahmenbedingungen notwendig, damit der Holzbau am heimischen Markt stärker vordringen kann, so Kainz.

Durch die Öffnung von Bauordnungen und Bautechnikverordnungen für neue Holzanwendungen könnte die Verwendung von Holz, speziell im städtischen Bereich und in den Ballungszentren, gesteigert werden, schlägt Kainz vor, denn im Bereich der Harmonisierung der Bautechnikverordnungen sind weitere Initiativen notwendig, damit gleichartige Anforderungen in allen Bundesländern umgesetzt werden könnten.

Nationale und internationaler Bauprojekte

Die Ausstellung "Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft" im Wiener Künstlerhaus ist "einem der ältesten Baumaterialien der Welt gewidmet, das mittlerweile in der Moderne angekommen ist", so der Kurator der Ausstellung Universitätsprofessor Hermann Kaufmann von der TU München. Im Mittelpunkt stehen die technischen, ökologischen und gestalterischen Möglichkeiten des Baustoffes Holz. Die Ausstellung des Architekturmuseums und des Fachgebiets Holzbau der TU München startete vergangenes Jahr in der Pinakothek der Moderne. In adaptierter Form wird sie durch proHolz in Kooperation mit dem Künstlerhaus in Wien präsentiert. "Die Ausstellung ist nicht nur für ein Fachpublikum gemacht, sondern auch für den interessierten Laien", so Kaufmann.

Kernstück der Ausstellung sind 30 von Studenten nach gebaute Architekturmodelle aus Holz, welche die teils kühnen Holzkonstruktionen nationaler und internationaler Bauprojekte sichtbar machen. Die Modelle zeigen die Vielfalt des architektonischen Ausdrucks und unterschiedlichste Gestaltungsmöglichkeiten. Das Bild vom Holzbau, das bei den meisten Menschen in unserem Kulturkreis nach wie vor von der traditionellen Architektur des Bauernhauses, von historischen Fachwerksbauten oder dem Typ des Schweizer Chalets geprägt ist, beginnt sich aufzulösen. Jüngste Entwicklungen zeigen, dass Holz heute geradezu als Exponent und Garant eines zukunftsorientierten Bauens bezeichnet werden kann. Die Bandbreite geht von öffentlichen Bauten und mehrgeschossigem Wohnbau über weit gespannte Tragwerke bis zum Hochhausbau. In puncto Höhe und Breite als auch hinsichtlich der ästhetischen Konstruktion zeigen Beispiele wie das Finanzamt Garmisch-Partenkirchen (D), die Monte Rosa Hütte in Wallis (CH), der LCT One in Dornbirn (A) oder die Yusuhara Town Hall (J), um nur einige zu nennen, wie vielseitig Holz im Bau eingesetzt werden kann. (siehe Bildergalerie).

Neben der Präsentation der gestalterischen Möglichkeiten, ist ein Teil der Ausstellung den Grundlagen des Holzbaus und seinem ökologischen Potenzial gewidmet.

 


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Datum: 19.12.2012

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