Estrich Material für verschiedene Anwendungen

Für die unterschiedlichen Anwendungen und Anforderungen gibt es zahlreiche verschiedene Arten von Estrich - vom Lehm- bis zum Ziegelestrich. Ein Überblick.

Lehmestrich

Lehmestriche werden in der Landwirtschaft in Scheunen, Ställen, Weinkellern etc. verwendet. Lehm wird in Lagen von 10 bis 15 cm eingebracht und verdichtet. Die Gesamtdicke beträgt 30 bis 40 cm.

Zementestrich

Zementestrich wird aus Zementmörtel hergestellt. Ab 5,0 m Estrichfeldgröße müssen wegen des Schwindens beim Austrocknen Fugen angeordnet werden. Diese Fugen sind auch bei Öffnungen und einspringenden Ecken erforderlich.

Je nach Qualitätsanforderung wird der Estrich in der Güteanforderung ZE 20 bis ZE 40 ausgeführt. Die Estrichdicken hängen von der Art und der Anforderung ab und sind in der ÖNORM B 2232 festgelegt. Z.B. Bei einem schwimmenden Estrich muss die Mindestdicke 50 mm betragen. Zementestriche können auch als Fließestriche eingesetzt werden.

Durch das Beimischen von Hartbetonstoffen oder Kunstharz kann der Estrich (z.B. für Garagen) widerstandsfähiger gemacht werden. Wird der Estrich später mit Rollstühlen befahren, muss die Oberfläche zusätzlich z.B. durch eine rollstuhlfeste Spachtelung vor der Bodenverlegung aufgebracht werden.

Gipsestrich

Gipsestriche werden in der Landwirtschaft in Scheunen etc. und in Dachböden verwendet. Gipsestrich ist leichter und elastischer als Zementestrich. Er muss grundsätzlich eine Trennlage zur Decke besitzen. Die Oberfläche muss wegen des starken Verschleißes zusätzlich beschichtet werden. Wegen der Unverträglichkeit Gips–Metall, müssen alle Metallteile ummantelt werden. Die Estrichdicke beträgt mind. 30 mm.

Anhydritestrich

Anhydritestriche sind aus natürlichem oder synthetischem Anhydrit (= wasserfreies Calziumsulfat) auch bei größeren Flächen fugenlos verlegt werden und wird auch als Fließestrich eingesetzt. Wird der Estrich später mit Rollstühlen befahren, muss die Oberfläche zusätzlich z.B. durch eine rollstuhlfeste Spachtelung vor der Bodenverlegung aufgebracht werden.

Magnesitestrich (=Steinholzestrich)

Magnesitestrich besteht aus einem Gemisch aus Magnesit Magnesitchlorlösung und organischen und anorganischen Füllstoffen. Wegen der Unverträglichkeit mit Metallen, müssen alle Metallteile ummantelt werden. Magnesitestriche werden ein- oder zweilagig ausgeführt. Die Mindestdicke beträgt 12 mm (vorteilhaft 15 –20 mm) bei einlagiger Ausführung und je 8 mm bei zweilagiger Ausführung. Wird er ohne Belag in Wohnbereichen ausgeführt wird er als Steinholzestrich oder Steinholzboden bezeichnet.

Gussasphaltestrich (= Hartgussasphaltestrich)

Gussasphaltestriche sind elastische, direkt begehbare Estriche und werden vor Allem in Technikräumen wie z.B. Heizkeller verwendet. Der Estrich besteht aus Bitumen und mineralischen Stoffen. Dieser Estrich ist auch eine Feuchtigkeitsisolierung gegen kapillares Wasser.

Normaler Gussasphaltestrich kann in Garagen nicht verwendet werden, da er nicht gegen Öl und Benzin beständig ist. Die Schichtdicke mindestens 20 mm. Werden Beläge aufgebracht, so muss die Oberfläche zusätzlich z.B. durch Einreiben von Quarzsand, Spachtelungen etc. behandelt werden. Gussasphaltestrich ist nicht rollstuhlfest.

Kaltbitumenestrich

Kaltbitumenestriche sind einschichtige Estriche mit einem ähnlichen Aufbau wie die Gussasphaltestriche mit dem Unterschied das sie gegen Öl, Benzin Fett u.ä. beständig,
für rollenden verkehr geeignet und hochbelastbar sind. Sie werden vorwiegend in Industriebereichen verwendet.

Terrazzoestrich

Der aus Italien stammende Terrazzoestrich ist ein Estrich mit einer begehbaren Oberfläche und wird vorwiegend in Gangbereichen verwendet. Der Estrich besteht aus Zement, reinfarbigen, schleifbaren und polierfähigen Steinkörnungen (z.B. Marmor, Travertin, Kalkstein) und wetterfesten, lichtbeständige und feingemahlenen Oxydfarben.

Die fugenlosen Flächen werden nach dem Erhärten abgeschliffen, und nach dem vollständigen Austrocknen mit Seifenwasser gereinigt und mit Leinöl eingelassen. Da der Boden zu Rissbildung neigt und Risse optisch schwer auszubessern sind, werden statt dem Estrich Terrazzoplatten verlegt um ein ähnliche Erscheinungsbild zu erreichen.

Spachtelestrich

Spachtelestriche sind 1,5 bis 2,5 mm dicke Kunstharzbeschichtungen, welche auf der Rohdecke mehrlagig aufgespachtelt werden.

Ziegelestrich

Der Ziegelestrich stellt eine Sonderform dar, da er zur Gruppe des Trockenestrichs gehört. Ca. 2 cm dicke Estrichziegel werden mit einem Spezialkleber auf Wärme- , Trittschall- oder Fußbodenheizungsdämmschichten verlegt. Durch die Trockenverlegung ist die Estrichnutzung ca. 4 bis 6 Wochen früher möglich, die erste Begehung bereits nach 8 Stunden. Der Estrich kann auch wegen seiner glatten Ziegeloberfläche als „rustikaler“ Fußboden im Raum belassen werden.


Autor:

Datum: 29.11.2010

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